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Palästina · 1911-01-01 · Heft 5 · p. Seite 122

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Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 5
Article
Die finanzielle Krisis in den Jerusalemer Wohltätigkeitsanstalten
Date
1911-01-01
Page
Seite 122 (sequence 2)
Language
German
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daß die wohlhabenden Elemente eines reichen Kolel vielfach mehr an Chalukageldern empfangen, als die ärmsten Juden eines schlechtgestellten Kolel. Das ist an sich vom Standpunkte des „Wal-Israel" als verwerflich und demoralisierend zu betrachten. Wenn man aber andererseits zugeben muß, daß bei den Kolelim noch eine gewisse Ordnung wahrzunehmen ist, so waren bei den Wohltätigkeitsanstalten von jeher Mißwirtschaft und unkontrollierbare Geldgebahrung vorherrschend. Es gibt eigentlich nichts leichteres als die Begründung eines solchen Institutes vom alten Schlage. Es kommt einer oder einigen Personen in den Sinn, daß noch eine gewisse Lücke unter den bestehenden Institutionen bestehe, die man in kluger Weise „verwerten" könnte. Was nun? Wird nun die Sache in der Oeffentlichkeit beraten und zu ihrer Durchführung etwa ein Verein gebildet und ein Komitee eingesetzt? Keine Spur. Die Jerusalemiten sind praktische Naturen und Draufgänger. Sie kennen den Zauber, den das Wort Jerusalem auf die Welt ausübt, und wissen, daß es zur Erzielung von Spenden für Jerusalem nicht des modernen Hokuspokus mit Vereinen, Komiteesitzungen, Generalversammlungen und peinlichen Rechenschaftsberichten bedarf. Flugs wird ein hübschklingender Name gesucht, werden Siegel und Kuverts bestellt und Sendlinge nach allen Ländern gesandt, die für das neue Institut zu sammeln und für ihre Mühe laut Abkommen mitunter bis zur Hälfte der durch sie eingegangenen Spenden erhalten. Fehlt es noch immer an Geldern für die etwas gehobenere Lebenshaltung der Begründer wie des Institutes selbst, so wird von denjenigen, die mit Ersparnissen nach Jerusalem kommen, um hier ihren Lebensabend in Ruhe und in religiöser Betätigung zu verbringen, Geld gegen hohe Verzinsung geliehen, und es werden davon neue Expeditionen von Sendlingen nach allen Richtungen der Windrose entsandt. Daß ein solches „System" früher oder später zu einem Zusammenbruch führen mußte, ist klar. Das Ende mit Schrecken ist nun bereits eingetreten. In erster Reihe stehen hier das alte Alteisversorgungsheim (Moschab Sekenim hajaschan) das von Frumkin, Pines und Bentowim verwaltet wurde und die Jeschiwath Torath-Chajim, die von dem Rabbiner J. Winegrad geleitet wurde. Beide Institute sind jetzt insolvent mit einer Schuldenlast von je 300.000 Frcs. Dazu kommt das neue Altersversorgungsheim unter der Verwaltung des Rabbiners Churgin mit einer Schuldenlast von ca. 80.000 Frcs., hauptsächlich an Krämer und Lieferanten, da dieses Institut keine Obligationen auf den Markt brachte. Dann kommen kleine Institute, wie zum Beispiel der „Ossef Nidachim" mit 40.000 Frcs. Schulden u. a. Die durch diese Insolvenzen hervorgerufenen Schäden erstrecken sich über die direkt Betroffenen, die Insaßen der 122

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