Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die chemische Erforschung des Toten Meeres
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Konstantinopel vom Jahre 1902 ist z. B. Folgendes zu lesen: „Reiche mineralische Schätze enthält das Tote Meer und seine Umgebung. Das Wasser aus ihm ist ein vorzügliches Ausgangsmaterial für die Gewinnung von Kochsalz, Chlor-Kalium, Chlor-Magnesium, vor allem aber von Brom, als dem weitaus wertvollsten Produkt. Die bituminösen Kalke am Toten Meer sind ein erstklassiges Rohmaterial für einen Lack-Asphalt in bisher nicht bekannter Güte. Desgleichen finden sich dort Schwefel und sehr einfach zu gewinnende Phosphate und, wie auch anzunehmen ist, in größerer Tiefe Petroleum". Aufschluß und Klarheit über diese Dinge kann uns aber nur die chemische Untersuchung an Ort und Stelle geben. Man sollte daher diesem Punkte mehr Aufmerksamkeit zuwenden und mehr Opfer für die Sache bringen, als bisher geschehen ist. Die Vorbedingung für solche Untersuchungen ist aber die Zusammenfassung und Ordnung des bisher veröffentlichten Materials. Dieser Arbeit der Ordnung und Sichtung des in den verschiedensten in- und ausländischen Zeitschriften und Werken zerstreuten Materials habe ich mich unterzogen zur Vorbereitung für die chemische Untersuchung der Gewässer und Brunnen Palästinas, die ich im Lande selbst vornehmen will. Vielleicht trägt auch diese Abhandlung dazu bei, neue Freunde für die Palästinasache zu gewinnen, damit auch auf diesem Gebiete etwas mehr geschehen könne; denn die chemische Erforschung Palästinas macht trotz ihrer Wichtigkeit für die Industrie des Landes fast gar keine Fortschritte. Alle Daten, die wir über die chemische Zusammensetzung der Naturprodukte des Landes haben, beruhen ausnahmslos auf Untersuchungen, die in europäischen Laboratorien ausgeführt sind. Auf dem Wege und durch den Transport erleiden die Proben meistens Zersetzung und Umsetzungen, so daß die Analyse uns oft ein falsches Bild gibt. Auch der Mangel einer naturwissenschaftlichen Bibliothek im Lande erschwert es dem Forscher, seine Untersuchungen an Ort und Stelle, wo sie eigentlich vorgenommen werden müßten, anzustellen [21]*). Das Tote Meer stellt einen großen Landsee dar, ungefähr von der Ausdehnung des Genfer Sees. Es erstreckt sich von Norden nach Süden zwischen hohen Bergen, deren Fuß und deren Inneres aus einem Lager von Kalkstein und Ton bestehen, durchsetzt von großen Salzschichten. Diese Berge erheben sich auf der Westseite nur etwa 500 bis 570 Meter über den Spiegel des Toten Meeres, steigen aber : auf der Ostseite bis auf 800 bis 1050 Meter absoluter Höhe an, das sind zirka 1200 bis 1450 Meter über dem Toten Meere [57]. Es ist ja bekannt, daß diese Erdsenke, das Ghor, in der das Tote Meer liegt, die tiefste Stelle unseres Piarieten vorstellt [47]. Nicht allein in den Bergen finden sich die Salzschichten, sondern auch das Ufer ist in einer bedeutenden Ausdehnung mit einer solchen bedeckt. Salz findet sich auch als Ablagerung auf dem Boden des Meeres, woraus , auf den starken Salzgehalt des Wassers, der fast dem einer ' *) Die zwischen eckigen Klammern stehenden Zahlen beziehen sich auf das Literaturverzeichnis. 102