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Palästina · 1911-01-01 · Heft 4 · p. Seite 93

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 4
Article
Die Bedingungen der jüdischen Bauernkolonisation in Palästina
Date
1911-01-01
Page
Seite 93 (sequence 5)
Language
German
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heitskosten sehr groß erscheinen. Aber man vergesse nicht, daß man hie und da gezwungen ist, während der Krankheit sich von einem Lohnarbeiter ersetzen zu lassen, was eben Geld kostet, schon abgesehen von Arzneimitteln und verstärkter Nahrung für den Kranken. Amortisierung des Inventars mit 200 Franken ist nicht hoch berechnet, denn da sind nicht bloß die landwirtschaftlichen Maschinen, sondern auch Haus und Stall berücksichtigt. Die jährliche Zahlung an die kreditierende Institution ist ebenfalls mit 300 Frcs. pro Jahr nicht hoch berechnet, denn der Boden allein hat einen bezahlten Wert von mindestens 5000 Frcs. (20 Frcs. pro Dunam). Haus und Stall kosten mindestens weitere 4000 Frcs. Mit einem Worte, die Ausgaben können nicht gekürzt werden. Vielleicht könnte man die Pferde durch Ochsen ersetzen, deren Ernährung viel billiger wäre, deren Arbeit aber nicht so ausgiebig ist. Und somit entsteht die Frage: wie sind die Verhältnisse zu ändern, daß der Kolonist wenigstens kein Defizit haben soll? Selbstverständlich kann die Frage nur dahin beantwortet werden, daß man seine Einnahmen steigern muß. Und diese Frage ist .eben nicht leicht zu lösen, denn sie ist sehr kompliziert, d. i. deren Lösung hängt von vielen Faktoren ab, unter denen manche gar nicht von unserem Willen abhängen. Betrachten wir zuerst die von uns abhängenden Faktoren. Die Hauptursache des ungenügenden Einkommens des jüdischen Kolonisten in Galiläa und überhaupt aller Kolonisten, die ausschließlich Feldwirtschaft betreiben, erblicken wir vor allem eben inderausschließlichen Feldwirtschaft. Kein Bauer Europas oder Amerikas lebt so, sondern er betreibt neben der Feldwirtschaft eine ganze Reihe landwirtschaftlicher Nebenbeschäftigungen, vor allem drei: Gartenwirtschaft, Milchwirtschaft und Viehzucht. Es ist Tatsache, daß der Palästinenser Kolonist Gemüse vom Araber kauft. Es ist klar, daß die galiläischen Kolonisten nicht etwa Gemüsewirtschaft zum Verkaufe in den Städten treiben können, da sie bei den schlechten Wegen in Palästina zu entfernt von Städten sind. Aber den ganzen Selbstgebrauch müßten sie durch eigene Gemüsegärten befriedigen können. Selbstverständlich könnten die neben den Städten gelegenen Kolonien ihr Gemüse in der Stadt verkaufen. Dasselbe in Bezug auf die Milchwirtschaft zuerst für eigenen Gebrauch, was speziell für die Ernährung der Kinder sehr wichtig ist. Aber bei der Entwicklung der Milchwirtschaft könnte ein sehr einträglicher Nebenverdienst erreicht werden. In den Kolonien neben Städten durch direkten Milchverkauf, in den entfernten Kolonien durch Käseproduktion, denn Käse ist ein haltbares und leicht transportables Produkt. Dieselbe Bedeutung besitzt die Geflügelzucht, vor allem für den Selbstgebrauch, aber auch zum Verkaufe. Und noch wichtiger ist die Viehzucht, die auch bei der Anwendung von einfachen, landläufigen Viehzuchtsmethoden sehr große Einkünfte einbringen kann, wie sie der arabische Bauer praktiziert. Mit einem Worte: die ganze Wirtschaft der jüdischen Kolonisten muß natürlicher, landläufiger werden und aufhören, ein von oben herab vorgeschriebenes Kunstprodukt zu sein. Dabei muß vor allem als Grund- 93

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