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Palästina · 1911-01-01 · Heft 3 · p. Seite 75

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 3
Article
Kleinsiedlungen in englischen Kolonien
Date
1911-01-01
Page
Seite 75 (sequence 1)
Language
German
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Kleinsiedlungen in englischen Kolonien. Der „Deutschen Kolonialzeitung" entnehmen wir folgende interessante Mitteilung über Ansiedlungsversuche mit mittellosen Kolonisten in. Transvaal: „Ein langjähriger, treuer Freund in einer Mittelstadt der Transvaalkolonie schreibt uns gegen die Anschauung, daß nur Männer mit einem gewissen Kapital für die Besiedlung unserer Kolonien in Frage kommen sollen, das Folgende: „Auf diesem Wege werden unsere Kolonien nur sehr langsam unter Kultur gebracht. Ihnen ist ja, verehrte Herren, bekannt, wie die Briten in früheren Jahren durch Anwerben von armen deutschen Arbeiterfamilien, die sich nach hier verschifften, hier in Südafrika durch deren Arbeit aus unfruchtbaren Steppen blühende Landstriche geschaffen haben. Freilich haben manche dieser Armen schweres Lehrgeld zahlen müssen, andere sind untergegangen; aber die meisten Kolonisten sind dem Lande zum großen Segen geworden. Sollte dies nicht auch für unsere Kolonien möglich sein? Nach dem südafrikanischen Kriege versuchten die Engländer die Besiedlung Transvaals mit Soldaten (Settiers). Der gänzliche Mißerfolg lag aber an dem Menschenmaterial. Unser jetziges Burenministerium hat einen anderen Weg eingeschlagen, der vielleicht auch für unsere Kolonien von Bedeutung sein dürfte; nämlich Buren unter fester fachmännischer Leitung auf einer Versuchsfarm anzusiedeln, um sich einzuarbeiten, bis sie sich selbst Grund pachten oder kaufen können. Ich will hier versuchen, meinen Bericht für die Versuchsfarm (soweit es für unsere Kolonien lehrreich ist), wie ich ihn seinerzeit nach meinem Besuch daselbst der „Volksstem" zugesandt, wiederzugeben: Oft schon hatte ich von Arbeiterkolonien gehört, mir aber nie ein rechtes Bild von dieser Arbeitsstätte (Lagersdrift) machen können. Im August 1910 führte mich meine Amtsreise nahe an Lagersdrift vorbei, und ich ließ mir diese günstige Gelegenheit nicht entgehen, die Arbeiterkolonie zu besuchen. Ich war freudig erstaunt über das, was ich da gesehen. Mynheer van Wyk, der Superintendent der Ansiedlung, gab mir bereitwillig Einblick in die Administration und kurzen Bericht über den Erfolg seiner Arbeit. Da aber selber sehen der beste Lehrmeister ist, so benützte ich meine sehr bemessene Zeit, um einen Teil der Anlagen zu sehen, die sich längs der Flußniederung hinziehen. Oberhalb, nahe dem felsigen Boden steht ein nettes, kleines Haus, von dem Bewohner selber erbaut.. Die Regierung gibt nur Wellblech zum Decken, Bauholz, Türen und Fenster; ein Hof räum umgibt das Gebäude. Unterhalb dieses Hofes befindet sich ein Obstgarten, nach unten zu begrenzt von einer starken Wasserschloot, die zur Berieselung von Winterländereien dient, deren jede Haushaltung etwa 5 bis 6 Kap'sche Morgen besitzt. Außerdem hat jede Haushaltung noch 50 Kap'sche Morgen für Trockenländereien. Dies das Bild einer Familienansiedlung. Gegen 800 Morgen können unter Wasser gesetzt werden, sodaß sich hier etwa 100 Familien niederlassen können. Dazu sind noch etwa 5C00 Morgen für Trockenländereien bestellbar. Da die ganze Anlage 9C00 Morgen groß ist, bleibt noch genug Raum für Weideland. Leider vermißte ich jegliche Aufforstung, die zur gesunden Entwicklung solcher Anlagen unerläßlich ist. Ein Laden besorgt den Umsatz und die Bedürfnisse des Lebens. Eine Post sorgt für die Verbindung mit der Außenwelt; und in einem, allen Ansprüchen der Gesundheit und Erziehung gerecht werdenden Schulgebäude, werden die 100 Schüler von fünf Lehrern und Lehrerinnen in allem Wissenswerten, für ihr späteres Fortkommen Nützlichen erzogen. Diese Schule hat einen Vorzug vor vielen anderen Landschulen, daß die Kinder schulgemäß zum Gartenbau angewiesen werden und ihnen somit von Jugend auf der Segen des Landbaues praktisch zum Bewußtsein gebracht wird. — Von Bedeutung ist, daß die Ansiedler ihren Boden ohne Hilfe von Kaffern bestellen müssen; sie werden dadurch zur Selbständigkeit erzogen. Die Regierung hat hier eine Stätte 75-

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