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Palästina · 1909-01-01 · Heft 12 · p. Seite 235

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Journal
Palästina
Volume
6 (1909)
Issue
Heft 12
Article
Volkssagen im heutigen Palästina
Date
1909-01-01
Page
Seite 235 (sequence 2)
Language
German
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und christlichen Landsleute. Einen Stoff, der den Bekennern aller drei Religionen zugänglich und ans Herz gewachsen ist, bieten die Erzählungen des Alten Testamentes; ihre grossen Gestalten werden, da sie Anhänger des einen Gottes sind, von] den Mohammedanern als zum Islam gehörig betrachtet, unjd die Sage beschäftigt sich gern mit ihnen.. Eine Flutsage, wie sie von Noah und seiner Zeit erzählt wird, findet sich bei vielen Völkern; sie wird auf die Erinnerung an eine Ueberschwemmung von ungewöhnlicher Stärke, vielleicht auch auf dies Bedürfnis zurückgehen, für das Vorkommen von versteinerten Seetieren auf Gebirgen eine Erklärung zu finden. Erzählte man erst einmal von einer Ueberflutung, der nur wenige Menschen entrannen, so lag es nahe, sie als ein göttliches Strafgericht zu betrachten, das die Bösen: vernichtete, die Gottesfürchtigen aber durch ein Wunjder erhielt. Freilich hatte nun diese Verbindung von Flut und Strafgericht eine angreifbare Stelle; hatte es vor der Flut Sünder gegeben, so gab es nachher auch welche; die Flut war also vergeblich gewesen. Diesen Gedanken, dass das Böse trotz der Flut überlebte, griffen die Orientalen in humorvollem Tiefsinn auf. Sie erzählen: allerdings wurden Noah und die Seinen durch die Arche gerettet, allerdings kamen fast alle Bösen um, aber einen von diesen konnte selbst die Flut nichts anhaben, das war der Riese Og, der ungeratene Enkel Noahs. Er war so gross, dass der höchste Stanfd der Flut ihm nur bis an die Knöchel ging. Hatte er während der Flut Durst, so fing er, seine beiden hohlen Hände zusammenhaltend, so viel Regenwasser auf, dass er trinken konnte; hatte er Hunger, so schöpfte er mit der hohlen Hand Wasser uryd Hess es durch die Finger laufen, dann blieben so viele Fische in seiner Hand, dass sie ausreichten, um ihn zu sättigen; er verzehrte sie, nachdem er sie an der Sonne gebraten hatte, bis zu der hinaufzulangen seine Körpergrösse ihm erlaubte. In seiner Bösartigkeit versuchte er die Arche unterzutauchen, sie verdankte ihre Rettung nur dem Umstände, dass sie für seine Finger zu glatt war. Er lebte nach der Flut noch mehrere Jahrhunderte. Moses erschlug ihn später, aber nur unter dem besonderen Beistande Allahs. Abraham, Ibrahim, El-Khalil, „der Freund", nämlich der Freund Allahs, erwarb sich Verdienste um1 die Bekleidung der Gläubigen. Es war ihm anstössig, dass die Gläubigen keine Pumphosen ain|hiatten, und er bat Allah um Abihilfe. Allah hatte ein Einsehen und schickte den Engel Gabriel aus dem Paradiese mit einer Rolle Tuch zu Sarah, Abrahams Frau. Gabriel verschmähte es nicht, die Pumphosen selber zuzuschneiden, Sarah nähte sie, und seitdem kann der Gläubige, wenn 235

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