Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Palästinensisch-jüdische Archäologie
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 225 (sequence 1)
- Language
- German
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Prof. Dr. S Krauss, Wien. Palästinensisch-jüdische Archäologie.*) Höhle und Hütte. In talmudischer Zeit hatten zwar Palästina und Babylonien eine in festen Wohnungen sesshafte Bevölkerung, dennoch waren primitive Wohnungen, wie Höhlen, Hütten tuicf Zelte, nicht ganz ausser Gebrauch gekommen, ja, zu gewissen Zeiten und Anlässen kehrte man absichtlich zu solchen Wohnungen zurück, wie das heute noch geschieht. So kennt denn eine rabbinische Quelle, wenn man neben dem theoretischen Interesse auch Tatsachen des wirklichen Lebens in derselben suchen darf, mindestenszehn solche Bauten, die wir zu der Gattung der primitiven Wohnungen zählen dürfen. Die Höhlen, halachisch unter einen anderen Gesichtspunkt fallend, figurieren darunter nicht, aber gerade die Höhle ist in den zerklüfteten Gebirgen Palästinas von den Zeiten der Holliter an bis fast auf unsere Zeit herab als eine stets bewährte Wohnstätte anzusehen. Das merkwürdige Kloster Mar- Saba im Kidrontale besteht eigentlich aus Grotten, und sowohl diese wie auch die Einsiedlerhöhlen des Gebel Karantal, wahre Troglodytenwohnungen, gehen auf alte Zeiten zurück. Bekannt sind auch die Höhlen im Haurän, und wir dürfen das Wohnen in Höhlen auf ganz Palästina ausdehnen, in Uebereinstimmung mit einem Zug, den das ganze semitische Altertum^ ja überhaupt die ganze primitive Menschheit aufweist. Neben Gebirgshöhlen gab es in flachen Gegenden wohl Erdhöhlen, wie sie in der Bibel erwähnt werden, und in Babylonien wird es überhaupt hur solche gegeben haben. Solche Höhlen, oft schwerer einzunehmen als Festungen, dienten nicht nur räuberischem und aufständischem Volk als Schlupfwinkel, sondern in Zeiten der Gefahr auch der friedliebenden Bevölkerung als Zufluchtsstätte. Eine Höhle, die glatt war wie ein Nagel und deren Vertiefung voll war von menschlichen Gebeinen, konnte es nur sein, wenn sie lange Zeit und von vielen Menschen bewohnt wurde. Die wilde Gebirgsgegend vor Beth-Horon, der Schauplatz mehrerer Kämpf e, barg ebenfalls eine solche Höhle, die man einfach „den Felsen" nannte. Jene Höhle zu Beth-Horon wusste man mit einer biblischen Oertlichkeit zu identifizieren, und so kannte man auch die Höhle des Königs Zidkijahu, die sehr gross gewesen sein soll. Die Machpela-Höhle jedoch, die Patriarchengräber, kannte man schwerikh aus Autopsie; der eine stellt sie sich als zwei *) Der Herr Verfasser hat uns diesen Artikel für „Palästina" übersandt. Es wird dieser Abschnitt einen Teil eines grossen Werkes bilden, das' der geschätzte Autor bald herauszugeben gedenkt. 225