Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Pekiín und seine Juden
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 224 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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zu haben, dem gegenüber ein solches Betragen nur lobenswert sein konnte. Es war die einzige Unannehmlichkeit, die ich während der ganzen Palästinareise zu erdulden hatte. Sonst vertragen sich die Bekenner der verschiedenen Religionen ganz gut, und nach Versicherung der einheimischen sowie der zugereisten Juden ist das Benehmen ihnen gegenüber vollkommen tolerant und wohlwollend. Auch war es mir vergönnt, Zeuge einer drusischen Hochzeit zu sein. Während der Nacht sangen die Männer monotone Weisen und tanzten wild um verschiedene Feuer auf dem Dorf platze; den Tag verbrachten beide Geschlechter in Unterhaltung und Tanz auf dem flachen Dache. Nun war es aber Zeit zurückzukehren. Da der Weg über Safed sehr anstrengend war, empfahl man mir einen anderen über Er-Rame direkt nach Tiberias. Vor meiner Abreise trat ein in Lumpen gekleideter Jude mit der Frage auf mich zu, ob ich nicht nach Meron gehe, er habe ein krankes Kind und möchte gern für das Lämpchen am Grabe des Rabbi Simeon ben Jochai etwas Oel spenden und dort für die Genesung seines Kjijndes <beten. Ich verwies ihn an meinen Begleiter von Meron, und der Arme scheute nicht den beschwerlichen Hin- und Rückweg, um sein Kind gesund zu beten. Die Arfriut und Unkultur bringt es mit sich, dass die meisten von mir untersuchten Juden mit Kopfgrind und Augenleiden behaftet, waren, denen gegenüber sie machtlos sind. Uns den Weg nach Tiberias zu zeigen, hatte ein strammer Peki'iner Jude, David Kohen, übernommen, der die neunstündige Strecke zu Fuss, ohne auszuruhen, zürücklegte, was doch eine schöne Abhärtung und Ausdauer zeugende Leistung ist, und nur etwa 2 Franken waren die ihn höchst zufriedenstellende Belohnung dafür. An meine kleine Karawane schloss sich noch ein Jude aus Tiberias an, der in Geschäftssachen in Piki'in war. Man reist nämlich nicht gern allein in Palästina, obgleich der Reisende auch in den entlegensten Winkeln, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann, nicht nur ganz unbehelligt bleibt, sondern er eine an Verachtung grenzende Nichtbeachtung erfährt. Es scheint ein aus alter Zeit überkommener Glaube an die Gefährlichkeit des Reisens zu sein, der sich auch darin äussert, dass jeder Fellache auf die Reise alles, was er an Waffen besitzt, mitnimmt. Es ist aber meistens altes Zeug und mehr Prunk als Schutzwaffe. Ich begnügte mich mit meinem Feldstecher, der manchem vielleicht als modernste Waffe imponierte. 224