Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Pekiín und seine Juden
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 222 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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dass mancher autochthone Kopf sich bis auf unsere Tage erhalten hat. Dass die jüdische Bevölkerung Peki'ins sich im fortdauernden Rückgange hauptsächlich infolge Nahrungsmangel befindet, beweist die Tatsache, dass von den gerade vor zehn Jahren von Lunz2) gezählten 96 Personen beiderlei Geschlechts kaum 80 geblieben sind, die sich auf etwa 15 Familien verteilen. Auch jetzt treiben die meisten Ackerbau. Aber nur 3 oder 4 Familien sollen noch eigenes Land haben, während die übrigen als Lohndiener zum Spottpreise von 20 M. jährlichen Gehalts bei den andersgläubigen Grundbesitzern arbeiten müssen und auch zu diesem Preise nicht immer Anstellung finden können, was besonders von den Frauen gilt. Ausserdem ernähren sich drei als Schuhmacher, einer ist Konditor und einige treiben Handel entweder am Orte selbst oder als Hausierer in den umliegenden Dörfern. Was Wunder, dass bei solchen Zuständen die Jugend der Heimatscholle den Rücken ekhrte, und nach Buenos Aires ging, was charakteristisch genug für die heutigen Verkehrsbedingungen ist. Aber auch dort haben die vom Hunger so weit fortgetriebenen elf Jünglinge keine sie befriedigende Arbeit gefunden, und sie wären froh, bei nur geringer Aussicht auf Arbeit nach Hause zurückkehren zu können. Und die armen an die Schwelle gebundenen Leute haben es wirklich verdient, dass irgend eine jüdische Wohltätigkeitsgesellschaft ihnen zu Hilfe komme. Diese Juden, die nicht erst den Ackerbau erlernen müssen, wie es bei der grössten Zahl der aus Europa importierten jüdischen Kolonisten der Fall ist, könnten durch Landzuteilung und geringe materielle Unterstützung aus ihrer grossen Not befreit und so wieder zu selbständigen und zufriedenen Ackerbauern gemacht werden. So ein Experiment wäre doch wirklich der Mühe wert, da diese wetterharten, seit Jahrhunderten ein Fellachenleben führenden Juden nicht erst dem Ackerbau gewonnen, sondern eher vor der Gefahr der Entwöhnung von der Arbeit und darauffolgenden leichten Ueberganges zum Bettlergewerbe gerettet werden müssten. Die Peki'iner Juden haben auch schon selbst den Weg zu den Palästina kolonisierenden jüdischen Gesellschaften gefunden. Sie wurden aber einfach abgewiesen, ohne dass ihre Klagen und ihr Zustand untersucht wurden. Die seit Jahrzehnten in nächster Nähe wohnenden Verwaltungsbeamten der verschiedenen Gesellschaften haben es in ihrem Eifer nicht einmal als ihre Pflicht betrachtet, Peki'in aufzusuchen, un!d doch wäre es logischer ,und sehr naheliegend, anstatt vermeintliches kolonisatorisches Material aus Europa 2) Palästina-Kalender 1899—1900, V. Jerusalem (hebräisch). Artikel „Peki'in"., dem auch manche der obigen Angaben entnommen wurde. 222