Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 9-10
- Article
- Pekiín und seine Juden
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Safed 1× ep/1046078
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die Route einzuschlagen raten, ,die ich gemacht habe, und wer dabei billig und zuverlässig reisen will, dem möchte ich ebenso entschieden die jüdischen Mukäris und ihre prächtigen Maultiere empfehlen. Der Weg führte uns von Safed zunächst nach dem Städtchen Meron, dem bekannten Wallfahrtsorte der Juden, der am Lag be-Omer (etwa im Juni) von Tausenden von Leuten aus allen Gegenden Palästinas aufgesucht wird. Es soll der Hochzeitstag des berühmten talmudischen Lehrers Rabbi Simeon' ben Jochai sein, der der Begründer der Kabbala und der Verfasser des Zohars, der" Bibel der Kabbalisten, gewesen sein soll. Ausser seinem Grabe werden noch die des berühmten Paares Hillel und Schamai sowie auch die anderer talmudischer Grössen gezeigt. Auch haben sich dort noch1 Trümmer einer Synagoge aus den ersten christlichen Jahrhunderten erhalten, was alles dafür zeugt, dass Meron zu jener Zeit eine bedeutende jüdische Bevölkerung gehabt haben muss. Dank der Berühmtheit, die es als Wallfahrtsort erlangt hat, und den ruhigen Zuständen beginnt Meron jetzt wieder durch Juden neu besiedelt zu werden. Während es vor kurzem nur eine fluktuierende jüdische Bevölkerung hatte, haben sich jetzt dort einige Familien, Aschkenasim und Sephardim, niedergelassen, und es wurde eine Talmudschule, die zu meiner Zeit (1908) 15 Schüler zählte, eröffnet. Charakteristisch für die neue Zeit ist es, dass ein Talmudschüler, der mir den Ort und die Gräber zeigte, die ihm gebotene Belohnung abschlug. Kennzeichnend für die Wege in Palästina oder richtiger für die Unwegsamkeit ist es, dass mein Mukäri für die Weiterfahrt einen ortskundigen Führer mitnahm, und so ritten wir zu dritt über Bet Dschenn nach Peki'in. Das Gebirge ist hier grossartig, oft von fruchtbaren, verhältnismässig gut bebauten kleinen Ebenen unterbrochen. Nach fünfstündigem, infolge der Steilheit und der steinigen Beschaffenheit des Gebirges sehr ermüdendem Ritt kamen wir um etwa 2 Uhr nachmittags nach Peki'in, und wie erstaunt war ich, als der erste, der mir in diesem schwer zugänglichen Orte entgegentrat, ein russischer Jude in seiner Heimatstracht war. Unwillkürlich überfiel mich ein Lachen, und es kam mir die bekannte Anekdote in den Sinn, wonach Kolumbus, als er den amerikanischen Boden betrat, von einem litauischen Juden begrüsst wurde. Die Geschichte dieses russischen Juden ist aber höchst bemerkenswert für die künftigen Entwickelungsmöglichkeiten Palästinas. Er war Schächter in einem bessarabischen Städtchen und erkrankte an Kehlkopfschwindsucht, einer sehr schlimmen Krankheit. Die Aerzte rieten ihm, unbedingt Russland zu verlassen' und in Italien Genesung zu suchen, wozu ihm aber die Mittel fehlten. Da entschloss er sich, nach Palästina zu gehen, wo 199