Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die deutsche Kolonie Haifa in Palästina
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 113 (sequence 5)
- Language
- German
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hältnissen der Kolonisten. Wie der „Reichsanzeiger" mitteilte, waren die Beschwerden der Ansiedler vor allem darauf zurückzuführen, dass die Kolonisten ursprünglich Grundstücke als Privateigentum (Mülk) in Besitz genommen hatten, die tatsächlich dem Fiskus angehörten und von denen gesetzlich ein Ertragsteil von x/io—5Ao zu entrichten war. Als dann 1875 auf Grund eines neuen türkischen Gesetzes Besitztitel ausgegeben wurden, wurden solche auch anscheinend für Grundstücke erteilt, die eigentlich Staatsland waren und den Zehnten hätten bezahlen müssen. Auf die Beschwerde der deutschen Kolonisten wandte sich die deutsche Botschaft in Konstantinopel zuerst im Frühjahr 1892 mit der Bitte um Aufklärung an die Pforte. Den fortgesetzten Bemühungen gelang es auch, Ende 1894 einen Beschluss des türkischen Ministerrates zu erwirken, demzufolge eine eigens ernannte Kommission die Grundbesitzverhältnisse regeln solle. Wie am 11. Febr. 1895 der Abg. Siegle hiezu ergänzend im Reichstag erklärte, hatten die Kolonisten ihre Ländereien z. T. schon vor Jahrzehnten in gutem Glauben von Privatleuten als Mülk angekauft und seitdem emsig und unter Aufwendung beträchtlicher Mittel melioriert. Im Jahre 1877 bis 1878 schon berichtete nach Siegles Schilderung der deutsche Korvettenkapitän v. Ha kl, dass sich der Lokalbeamte von Akka, zudessen Bezirk die deutsche Ansiedlung bei Haifa damals gehörte, seit 6 Jahren weigere, das Recht der Deutschen zum Ankauf von Grundstücken anzuerkennen. Aus diesen Missverhältnissen ergaben sich ständige Differenzen zwischen Regierung und Kolonisten in Bezug auf die Steuerhöhe, welche zumeist damit endeten, dass die Gerichte zu Ungunsten der Deutschen entschieden. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Frhr. v. Marschall, sprach in Beantwortung der Ausführungen Siegle's seine Sympathie für die Kolonisten aus. Er teilte mit, dassi die Botschaft in Konstantinopel ihren zweiten Dragoman Mü - linen nach Palästina entsende, damit dieser das vermittelnde Organ zwischen den Deutschen und der türkischen Regierung bilden könne. Graf Mülinen hat sich denn auch seiner Mission nach schwerer Arbeit in glänzender Weise entledigt. Und seit jener Zeit ist ein schwerer Druck von den deutschen Kolonien in Palästina genommen. Eine weitere, das Leben der Kolonisten beeinflussende Angelegenheit war die ihrer Staatsangehörigkeit. Bei der Ansiedlnug nach Palästina hatten die meisten Kolonisten* auf die württembergische Staatsangehörigkeit verzichtet. Seit Jahren machte sich bei ihnen das dringende Bedürfnis geltend, in die deutschen Bürgerrechte wieder einzutreten. Denn, wenn das Deutsche Reich die Kolonien nicht beschütze, wer hätte m