Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die deutsche Kolonie Haifa in Palästina
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 1× ep/1047930
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werter Tag. An ihm wurde der neue Gemeindesaal eingeweiht, in dem heute noch der Gottesdienst der Tempelgemeinde abgehalten wird. Der alte Saal war schon lange zu klein gewesen, der neue wird auch bei Festlichkeiten aller Art, bei Kaisers Geburtstag, Hochzeiten und anderen Anlässen benützt. Leider sind indessen die nächsten Jahre nicht ohne starke Erschütterungen des Gemeindelebens geblieben. Am 8. Dez. 1885 war Hoffmann, ohne dessen hervorragende moralische Kraft und bedeutendes Wissen es heute "keine deutschen Kolonien in Palästina gäbe, gestorben. Unter seinem Nachfolger, Christoph Paulus, trat die schon von Hoffmann begründete „Centralleitung des Tempels" immer mehr in den Vordergrund, Noch stärker war dies indess der Fall, seit Paulus im Frühjahr 1890 aus Altersschwäche zurückgetreten und an seiner Stelle ein Sohn Hoffm'anns, Christoph Hoffmann II., zum Tempelvorsteher gewählt worden war. Christoph Hoffmann II. richtete sein Augenmerk vor allem darauf, die Finanzen des Tempels auf eine gesunde Basis zu, stellen und dadurch der Tempelgesellschaft wenigstens wirtschaftlich eine Zukunft zu sichern. So bildete sich in der schon 1884 ins Leben gerufenen „Centraikasse", welche der Zentralleitung unterstand, ein mehr und mehr kaufmännischer Geist heraus, der vielen iTempelmitgliedern mit den Zielen des deutschen Tempels nicht vereinbar schien. 1892 kam1 üie Krise zum Ausbruch. Die Zentralleitung entliess den Redakteur des Gesellschaftsorganes, Paulus, weil dieser in einem Artikel gegen die Einführung einer Tempelsteuer aufgetreten war und auch sonst die finanziellen Grenzen nicht eingehalten hatte, die ihm als Redakteur der „Warte des Tempels" und Gebietsvorstand für Deutschland gestellt worden waren. Dieser aus disziplinären Gründen notwendige Akt brachte die Tempelgesellschaft ihrem1 Zusammenbruch nahe. In Deutschland schlug sich die Hälfte der Tempelmitglieder auf Paulus' Seite. In Palästina gestaltete sich zum Teil die Lage noch schlimmer: Zweidrittel der Tempelkolonie Sarona erklärten ihren Austritt. Auch in der Kolonie bei Haifa fielen alle Tempelmitglieder bis auf 6 Familienväter von der Tempelgesellschaft ab. So gab es nun in Haifa innerhalb der Kolonie 3 Parteien, die sich z. T. schroff ablehnend gegenüberstanden: die evangelische Gemeinde, die Tempelgemeinde und die neu gegrüngründete „Freie Tempelgemeinde". Dieser unerfreuliche Zustand dauerte bis zum Jahre 1896 an, in dem1 die Mitglieder der Freien Tempelgemeinde in Haifa wie in Sarona den Tempelvorsteher wieder als ihren Leiter anerkannten. Unterdessen beschäftigte sich der Reichstag wie die deutsche Regierung mehrfach mit den Grund eigen tumsver- 112