Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Landwirtschaftliche Fragen
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2379786-2379815-2379820-2382325--02393-2382377- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Dabei sei vorausgeschickt, dass unser Bauer seinen Ackerbau sehr regelmässig und mit grossem Fleiss betrieb. Selbstverständlich dürfen für die Rechnung nur solche Ausgaben; in Betracht gezogen werden, die im Interesse des Bauern unentbehrlich waren, jedoch nicht solche, die durch besondere Umstände, welche sich nicht wiederholen, entstanden sind. So darf man die Unterstützung, die der Bauer anfangs erhalten hatte, ebensowenig in Rechnung ziehen, wie die hohen Preise, die in jener Zeit für die Felder bezahlt wurden, Das Vermögen des Bauern betrug am1 Anfang eines Jahres laut Angabe in dem betreffenden Rechnungsbuch 11 570 Frcs. Dabei ist der Wiert der Pflanzungen nicht mitgerechnet, da die Einkünfte aus den Pflanzungen im Verhältnis zum allgemeinen Einkommen sehr unbedeutend sind. Aus dem Rechenbuch ist zu ersehen, dass der Bauer in diesem Jahre 1974,7 Frcs. Ernteertrag eingebracht hat. Davon gehen an allgemeinen Ausgaben laut Angabe 197 Frcs.2) ab. Es bleiben also 1777,7 Frcs. als Einkunft in einem mittelmässigen Jahre. Daraus kann man freilich keinen allgemeinen Schluss ziehen. Jedoch könnte in den verschiedenen Gegenden Palästinas eine ähnliche Aufstellung gemacht werden. Aus den hiebei zu Tage geförderten Einzelresultaten Hesse sich manches Wertvolle ersehen. Um von dem Einkommen der Bauern im allgemeinen einen Begriff zu bekommen, genügt es, einen Blick in die amtlichen Bücher zu werfen, deren Wahrheit und Genauigkeit keinem Zweifel unterliegen. Nach ihren Angaben treffen auf jeden Bauer durchschnittlich 2666 Frcs. jährliches Einkommen. Wenn man von diesem Betrag die Arbeitskosten von ungefähr 50 Prozent abzieht, bleiben noch 1333 Frcs. Davon noch die obengenannte Summe von 197 Frcs. (die innerhalb gewisser Grenzen natürlich variabel ist) abgezogen, bleiben 1136 Frcs., ein Betrag der zur Erhaltung einer Familie in Palästina hinreichend ist. Dabei ist noch nicht der Milch- und Geflügelertrag, der zum Selbstverbrauch verwendet wird, mitgerechnet. II. Die Erfahrung lehrt, dass die Weinberge den grössten Ertrag bringen. Aber vergleichen wir diesen Ertrag mit dem hohen Landankaufspreis, so hat es gar keinen Zweck, Weinberge zu pflanzen, ausser an solchen Orten, wo Getreide nicht oder schwierig angebaut werden kann. Auf fruchtbarem Bo- 2) Es ist zu "bemerken, dass damals noch kein Kredit gewährt wurde. 2) 35-Frcs. Weide; 8o Frcs. Besetzungskarten; 82 Frcs. Regierungssteuer. 94