Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Was sollen wir also tun?
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Was sollen wir also tun? jjin leuchtender Sonnenglanz lag über der heiligen Stadt, als wir uns auf den Weg machten, die neue Irrenanstalt für Männer zu besichtigen. Wir mussten den Stadtteil „Mescharim" passieren. Was man hier an schwatzenden Weibern, Kindern und vollkommen zerlumpten Gestalten sieht, das spottet jeder Beschreibung. Wie träge, wie unbewegt, wie leblos. — Jede Blume, jeder Grashalm, jedes Insekt sehnt sich der Sonne entgegen. Aber diese Menschen sind stumpf für einen solch berauschenden Frühlingstag. Wie die Spatzen jubilieren, wie das geheimnisvoll webt, summt, surrt und flüstert, sie hören es nicht; haben sie ja riesengrosse Wolltücher um die Köpfe geschlungen. — Unser Ziel ist erreicht. Ein entzückend-romantisch halbverfallenes Gebäude. Schön zum Ansehen, zum Träumen, einladend sich in die Vergangenheit zu versetzen. Aber zum Bewohnen? Noch dazu für Kranke. — Aber treten wir näher. Ein mässig grosser, viereckiger Hof, in dem die Irren in fast unglaublichen Aufzügen herumsitzen. Wir gehen weiter. Ein düsteres Zimmer, wo eben an einem unbedeckten Holztisch das Mittagessen aufgetragen wird. Dasselbe besteht aus Brot und Rettig. Die zehn Irren nehmen Platz, (es sind ruhige Kranke) und essen schweigend. Man nötigt uns Platz zu nehmen. Ich tue es mit innerem Widerstreben. Eine tiefe, tiefe Traurigkeit hat sich plötzlich meiner bemächtigt. Ich bin nicht imstande ein einziges Wort hervorzubringen. Verflogen ist alle Frühlingsfreude, angesichts dieser Unglücklichen. Wie sie dasitzen mit ihren vertierten Gesichtern! Auf dem langen Tisch keinen einzigen Teller, keinen noch so winzigen Löffel. Wenn dieser kahle Tisch eine Vertiefung hätte, so würde sich diese Abfütterung kaum noch vom Füttern der Tiere unterscheiden. Mein Begleiter mahnt zur weiteren Besichtigung. Ein kleiner Schlafsaal. Einige Betten und ein Kinderbett machen die ganze Einrichtung aus. Wenn das Speisen der Irren in dieser Anstalt sich kaum vom Essen der Tiere unterscheidet, so gleicht dieses Kinderbett auf ein Haar einer Hundehütte. Fürwahr kein lieblicher Anblick! Ein schreckliches Geschrei lässt uns dorthin eilen, woher es ertönt. Ein Kranker hatte einen Tobsuchtsanfall bekommen. Und nun konnten wir orientalische 92