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Palästina · 1909-01-01 · Heft 4 · p. Seite 82

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
6 (1909)
Issue
Heft 4
Article
Die neue Türkei
Date
1909-01-01
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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Die Ereignisse sollten sich überstürzen und — dazu noch in sehr kurzer Zeit — zur Verwirklichung* dieses Wunsches führen. Infolge heftiger Kundgebungen an den Toren seines Palastes, setzte der Sultan den Grosswezir ab und nahm einen der hervorragendsten Mitglieder der jungtürkischen Partei, Midhat Pascha, zum Minister. Aber dieser Beweis guten Willens war unzulänglich und zog sich zu lange hin; einige Tage später wurde Abdul Aziz abgesetzt und auf dem Throne durch Murad V. ersetzt, einem Prinzen mit liberalen Ideen, der den Gedanken der Berufung eines Parlaments adoptierte. Damals wurde die ottomanische Konstitution abgefasst. Als Murad irrsinnig wurde, bestieg sein Bruder Abdul Hamid an seiner Stelle den Thron, drei Monate nach dem Sturze Abdul Aziz', am 31. August 1876. Indes veranlassten die wilde Zurückdämmung der bulgarischen Erhebung und die von Serbien an die Pforte ergangene Kriegserklärung die europäischen Mächte ein Reformprogramm abzufassen, das man dem Sultan aufzuzwingen beschloss. Durch den Erlass der Konstitution vermied Abdul Hamid die fremde Einmischung in die inneren Angelegenheiten des ottomanischen Reiches, zur selben Zeit, als er den Rebellen ein ernstes Pfand seines guten Willens überliess. Das Parlament wurde am 25. März 1877 eröffnet. Man begegnete in seiner Mitte einigen Männern von wirklich grosser Bedeutung, die sicherlich zur Regeneration ihres Landes, indem sie ihm Ordnung und Frieden brachten, fähig gewesen wären. Aber der Sultan hatte sich wahrscheinlich von dem durch die Berufung einer erwählten Versammlung in seine Allgewalt gemachten Eingriff keine Rechenschaft abgelegt, und er war überrascht und ungehalten zugleich, als er diese Versammlung seine Angelegenheiten besprechen sah. Er sollte schleunigst die Auflösung der Kammer erklären, von der gewisse Mitglieder gefangen gesetzt oder verbannt wurden, und die persönliche Gewalt in ihrer ganzen Strenge wiederherstellen. Während mehr als 30 Jahre sollte Abdul Hamid unaufhörlich gegen jede liberale Idee und gegen jeden sittlichen Fortschritt kämpfen, weil er in der Volkserziehung eine schwer.e Gefahr für den Absolutismus erblickte. Im Jahre 1908 führte, wie im Jahre 1876, die Drohung einer europäischen Einmischung in die Angelegenheiten des Reiches und der Aufruhr im Innern zugleich die Hohe Pforte zur Gewährung liberaler Reformen. Die Mächte waren nahe daran, sich in Einverständnis zu setzen, um gebieterisch die Durchführung des englisch-russischen Reformprogramms in Mazedonien zu reklamieren, als die Partei der Jungtürken in dieser Provinz eine Bewegung organisierte, der sich die Bevölkerung ohne Unterschied der 82

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