Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1909-01-01 · Heft 3 · p. Seite 60

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
6 (1909)
Issue
Heft 3
Article
Die Juden von Jaffa nach Alter und Geschlecht
Date
1909-01-01
Page
Seite 60 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2379786-2379815-2379819-2382208--02296-2382271
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

kommen, sind die Ausgaben der Aschkenasim verhältnismässig gross. Die ersteren essen sehr viel Gemüse, ihr Brot ist vom hiesigen Mehle und der billigsten Sorte gebacken, und, kaufen sie schon Fleisch, so stört es sie nicht, wenn es zufällig kein Ochsenfleisch ist. Die Bekleidungs- und sonstige Wirtschafts ausgaben sind auch klein, da sie sich in dieser Beziehung den Arabern anpassen, und in einfacher und bescheidener Weise leben. Die Aschkenasim dagegen gebrauchen viel teuerere Nahrungsmittel: das Mehl muss 'das-beste sein, Hammelfleisch essen sie keines, und was die Bekleidung und Wohnungseinrichtung betrifft, so wollen sie immer den Europäern ähnlich sein.2) Es ist klar, dass alles das Sehr wenig geeignet ist, das frühe Heiraten zu fördern, und manche junge Aschkenasim halten sich absichtlich davon ab, bevor sie mehr oder weniger gewiss sind, dass sie im Stande sein werden, Frau und Kinder ernähren zu können und das ganze Leben nach ihrem Geschmacke zu gestalten. Es ist ja leicht zu begreifen, dass für die anderen Juden das Sich-zutn-Heiraten- . Entscheiden lange nicht so schwer ist, da sie die Zukunftssorgen in viel geringerem Masse als die Aschkenasim beschäftigen. Es ist auch nicht zu vergessen, dass der höher entwickelte Aschkenase auch von der Frau höhere Vorzüge verlangt, als blos die des Leibes; er wählt diejenige, welche seinen Anschauungen und Lebensbedürfnissen ungefähr entspricht, während die anderen Juden, die meistens aus Afrika, Asien und teilweise aus dem Balkan hierherkamen, mehr vom Geiste des Orients durchdrungen, grösstenteils in der Frau nichts als das Weib sehen: die Frau ist nur da, umihre Mission zu erfüllen, wie man sie im Oriente versteht. Das orientalische Mädchen wird zur Braut, wenn es noch sehr jung ist und keine bestimmten Anschauungen und Wünsche besitzt; es hat kein Stimmrecht bei der Entscheidung über den Bräutigam. Die Eltern kümmern sich sehr wenig um den Willen und die Meinung der Tochter und mancher Vater wählt für seine junge Tochter einen Witwer mit zahlreichen Kindern oder gar einen alten Mann. Freilich etwas anders steht die Sache bei denjenigen, die die hiesige Mädchenschule besucht haben und also schon einen feineren Geschmack und ein besseres Verständnis für das Leben haben; oft kommt es vor, dass ein solches Mädchen einen einfachen oder ihr überhaupt nicht gefallenden Mann nicht heiraten will, aber solche Selbstbewusste bilden wirklich nur Ausnahmefälle, und im grosa) Man überzeugt sich davon gleich, wenn man zur Mittagszeit einen Kindergarten oder eine Schule besucht. Das Essen der orientalischen Kinder kostet höchstens einige Groschen, das der aschkenasischen viel mehr Ebenso ist's mit der Bekleidung. Sogar bei den reichen Juden tragen die Kinder keine Gummischuhe in der Regenzeit und die Eltern mancher aschkenasischen Kinder, die Gummischuhe tragen, sind sehr weit davon, reich zu sein. 60

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.