Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden von Jaffa nach Alter und Geschlecht
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wir sehen daraus, dass hinsichtlich der mehrgliedrigen Familien die Westjudengemeinde den anderen überlegen ist. Wir werden zeigen, dass gerade die Gemeinde, die sich am frühesten in Jaffa niedergelassen hat und die im Vergleiche mit den anderen Gemeinden die zahlreichste ist, sich am stärksten vermehrt; dagegen, dass am schwächsten der Zuwachs bei den später angekommenen Aschkenasim und Teimonim ist. Zur letzten Erscheinung hat folgender Umstand viel beigetragen: 5 Proz. der Aschkenasim emigrieren a;us Jaffa, und drei Viertel der Emigranten sind junge Leute beiderlei Geschlechts, während von den Westjuden nur 1,8 Proz. emigriert. Von den Teimonim emigriert freilich nur 1 Prozent, dagegen ist bei ihnen die Kindersterblichkeit sehr gross*); ein bedeutender Teil1 der Kinder ist noch in den Zeiten ihrer Wanderschaft nach Palästina gestorben, da sie zu Fuss gingen; auch in Jaffa sind sie meistens sehr arm (besonders litten sie die erste Zeit) und wohnen in sehr ungünstigen Verhältnissen. Die Emigration ist nicht der einzige Faktor der den kleinen Zuwachs bei den Aschkenasim verursacht, es wirkt hier auch derjenige Faktor, welcher allen Kulturvölkern unserer Zeit gemeinsam ist. Die Aschkenasim, die meistens direkt aus Europa hierher kamen, beeilen sich verhältnismässig nicht mit der Heirat und auch die Mädchen wollen nicht zu jung heiraten, wie es bei den übrigen jüdischen Mädchen der Fall ist. Bei den Orthodoxen, und besonders bei den hier geborenen, kommt ja das vorzeitige Heiraten vor, allein sie bilden eine verschwindende Minderheit und ihr Einfluss in der Aschkenasimgemeinde ist kaum merklich. Auch gibt es unter den neuangekommenen Orthodoxen junge Leute, die von modernen Gedanken beherrscht sind, grössere Lebensbedürfnisse haben und daher nicht heiraten, bevor sie eine sichere Existenz gewonnen haben. In den anderen Gemeinden aber ist es schwer, ledige Männer und besonders Frauen zu finden, die ihre Heiratszeit „versäumt" haben. Einerseits werden die Mädchen im Orient sehr früh reif, und nicht selten trifft man bei den sephardischen und anderen orientalischen Juden fünfzehnjährige Mädchen, die der Gestalt und der iganzen physischen Entwicklung nach wie 20jährige aussehen, so dass wir oft erstaunt waren, als sich herausstellte, dass manche junge Weiber noch nicht 15 Jahre alt sind. Andererseits fehlen den orientalischen Juden noch jene kulturellen Bedürfnisse, die die junge aschkenasische Generation bereits nötig hat. Während die anderen Gemeinden sich sehr wohl dem hiesigen Leben anpassen und mit geringem Vermögen durch- *) Beim Besuchen der Teimonimwohnungen habe ich mich öfters ge wundert, ältere Leute zu treffen, die nur 1—2 Kinder haben, und als ich mich nach den Ursachen dieser Erscheinung erkundigte, stellte sich heraus, dass in allen diesen Familien mehrere Kinder gestorben waren. 59