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Palästina · 1909-01-01 · Heft 2 · p. Seite 44

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
6 (1909)
Issue
Heft 2
Article
Gaza
Date
1909-01-01
Page
Seite 44 (sequence 1)
Language
German
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Gaza* Gaza ist.ohne Zweifel ein geeigneter Ort zu neuen Ansiedlungen. Es gibt in Palästina Städte, welche durchaus von Orthodoxen, fanatischen Mohammedanern bewohnt sind; durch deren grossen Fanatismus ist es für Juden schwierig, sich dort festzusetezn. Die Bewohner der Stadt Gaza sind wohl so ziemlich alle fanatisch, aber trotzdem zugleich auch äusserst wohlwollend gegenüber den Angehörigen anderer Völker und auch gegenüber den Juden. Die wenigen Juden, welche die Ausdauer hatten, in Gaza längere Zeit zu bleiben, haben gute Geschäfte gemacht und auch ein kleines Kapital erworben. In der Stadt, in der ca. 35,000 Seelen wohnen, war bis in letzter Zeit kein Uhrmacher, kein Schlosser, kein Waschhaus; ein Schneider kam von Zeit zu Zeit in die Stadt, um seine Arbeit zu vollenden. Aber nicht nur Handwerker, sondern auch Kaufleute könnten ihr behagliches Auskommen finden. Der englische Vizekonsul tat sein möglichstes, die jüdische Gemeinde zu -mehren, und auch die städtischen Behörden erwiesen den Juden grosses Wohlwollen. Trotzdem haben sich die jüdischen Einwohner nicht im geringsten vermehrt. Jetzt finden sich dort 107 sephardische und nur eine aschkenasische Familie, letztere mit nur drei Seelen. Die jüdische Gemeinde in Gaza kann sich hauptsächlich nicht entwickeln, weil hier die Gemeindeanstalten fehlen, die dem Juden Bedürfnis sind. Es gibt keine Schule, weshalb die sephardischen Familien ihre Kinder in die Missionsschulen zu schicken gezwungen sind. Es gibt Familien, die nur wegen der Schulfrage von Gaza nach Jaffa gezogen sind. Sodann fehlt ein jüdischer Friedhof, ein Misstand, der von schwerwiegendster Bedeutung ist. Für aschkenasische Juden gestaltet sich das Leben noch aus einem anderen Grunde sehr schwierig. Ein aschkenasischer Uhrmacher z. B. hatte in Jaffa nicht existieren können. Er zog, ohne ein Wort arabisch zu können, mit seiner jungen Frau und einem Mädchen nach Gaza. Jetzt lebt er schon drei Jahre dort, spricht gut arabisch macht sehr gute Geschäfte, steht mit seinen Nachbarn auf bestem Fuss und sieht sich, trotzdem sich sein Geschäft noch besser zu entwickeln verspricht, doch genötigt, Gaza zu verlassen. Denn in diesen drei Jahren musste seine Frau, den Sitten der Bewohner gemäss, wie eine Gefangene in ihren vier Wänden eingesperrt leben, konnte nur selten und dann nur dicht verschleiert ausgehen und anderes mehr, was für eine Frau, die in ganz anderen Verhältnissen aufgewachsen war, geradezu furchtbar sein muss. Inzwischen ist auch das Mädchen herangewachsen und in dem Alter, eine Schule zu besuchen. Eine Schule gibt es 44

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