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Palästina · 1909-01-01 · Heft 2 · p. Seite 34

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
6 (1909)
Issue
Heft 2
Article
Die hochgebaute Stadt
Date
1909-01-01
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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gepflegt, und man sieht an der Fülle der Früchte, dass der Boden die Arbeit dankt. Er schenkt den Menschen!, die nicht durch Bettel und Betrug die Stätte entweihen, sondern das Land bebauen, Ueberfluss. Dann kommen blühende Felder, auf denen die Saaten aufgegangen sind. Auf den schmalen Wegen und Feldpfaden schreiten Kamele ihren gravitätischen Schleppgang, galoppieren Esel, auf denen, breitbeinig und voller Müsse, Araber sitzen. Weiter hinein im Lande sind die Kolonien der Zionisten und Schwaben. Die lieben das Land der zweimaligen Ernten, das ihnen nun eine zweite Heimat wurde .... Jerusalem, einst hochgebaut, ist niedergedrückt cvorden. Es drückte sich, wie aus Furcht vor neuen Wunden, zusammen zu engen, schmutzigen Gässchen, in deren Gewölben der Schacher haust. Das ist die alte Stadt, das Gefäss der Geschichte. Sie umgibt die Grabeskirche, und sie endigt an der Omar-Moschee. Hier stand einst das Heiligtum Jehovas; hier ward ver'kündet: Siehe, ich bin ein eifervoller Gott, der die Schuld heimsucht bis Ins dritte und vierte Geschlecht, aber Gutes vergilt bis ins tausendste Geschlecht. Die Stätte ist zerstört worden. Jehovah wurde hier gestürzt — Allah illa ilahu ist Losungsgeschr'ei geworden, und die, die einst stolz als die Erwählten gerufen hatten: — Höre Israel — die sind in die Schlupfwinkel gejagt worden. Ein geschwätziger Führer, begleitet vom Kawassen des Konsuls, erklärt alles Erdenkliche. Er weist auf Altertümer, die noch aus Salomonis Zeiten herrühren sollen. Wer weiss es — vielleicht ist das, was er sagt, wahr. Die Stätte ist ja dieselbe. Hier sprach Salomon das weise Recht. Und der Geist des königlichen Sängers liegt über dem Lande. Man schreitet mit Wehmut über den weiten Platz. Das Auge ist nach innen in die Geschichte gekehrt, man ist der Zeit und dem Räume entrückt. Der Schritt hallt auf den marmornen Fliesen.--Der Führer geht voran — er schwätzt mit heissem Bemühen um Bachschisch. Kein Stein ist auf dem andern geblieben. Eine einsame Mauer steht nur noch. Die Juden klagen an ihr. Die in allen Ländern verstreut sind, beten alljährlich zur Zeit des Passah „im künftigen Jahre in Jerusalem" — die, denen der Traum erfüllt ist, die klagen aus Gram über das zerstörte Heiligtum. Und Bettler sitzen am Wege und geben ihre Gebrechen preis, um Mitleid zu erregen, und ihr Geschrei um eine Gabe passt zur Ruine. 34

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