Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Errichtung einer Wasserleitung in Jerusalem [Nachricht]
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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AUS DEN HAUPTSTÄDTEN Jerusalem.55) E r r i c h t u n g einer Wasserleitung in J e r u s a 1 e m. Am empfindlichsten hat die Bevölkerung Jerusalems unter dem Mangel an gesundem Wasser zu leiden. Bekanntlich wird hier das Regenwasserf in Zisternen für das ganze Jahr aufgesammelt. In den seltensten Fällen jedoch sind die Zisternen so gebaut, dass sie genug Wasser halten und immer sauber bleiben können. Sic sind vielmehr meistenteils in unsauberem Zustande, und jede Zisterne ist ein gefährlicher Herd von Malariabazillen. Nur so lässt sich die starke Verbreitung des Malariafiebers in Jerusalem erklären, welches, ca. 800 m über dem Meeresspiegel gelegen, an sich durch ein gesundes Klima und trockene, gute Luft sich auszeichnet. Wenn gegen das Sommerende der Wasservorrat in den Zisternen zur Neige geht und die ersten Regentage auf sich warten lassen, tritt das Fieber geradezu epidemisch auf. Es gibt wenige Familien ohne Kranke, in vielen Schulklassen fehlt oft ein Drittel der Schulkinder und noch mehr Das von der einige Kilometer von Jerusalem entfernten Bitterquelle ge. brachte gute Wasser wird zu hohen Preisen verkauft, so dass ärmere Familien sich diese Ausgabe nicht leisten können. So ist die Beschaffung guten Wassers für die Bevölkerung Jerusa^ lems eine Existenzfrage im vollsten Sinne des Wortes. Es gebührt dem jetzigen Gouverneur Jerusalems, Sabhi Bey, das Verdienst, mit einer Energie dieser Angelegenheiten sich angenommen zu haben, die auch einen guten Erfolg erwarten lässt. Die Regierung liess das ihr vorgelegte Projekt, von der Aruba-Quellc (zwischen Bethlehem und Hebron) aus Wasser nach Jerusalem zu leiten, durch W\asseringenicure prüfen und es wurde festgestellt, dass diese Quelle ca. 2000 cbm Wasser per Tag liefern kann. Die Bevölkerung Jerusalems beträgt etwa 80,000. Wird der tägliche Wasserverbrauch im Durchschnitt mit 25 Liter pro Person angenommen, so kann die Aruba-Quelle ganz Jerusalem mit Wasser versorgen. Die Kosten der Errichtung der Wasserleitung werden auf etwa 2 Millionen Frcs. veranschlagt. Diesen Betrag will die Jerusalemer Stadtverwaltung durch eine zu 5—6 Prozent verzinsliche und in dreissig Jahren amortisierbare Anleihe, deren Rückzahlung durch Verpfändung des Grundeigentums der Stadt Jerusalem gesichert werden soll, aufbringen. Zur Finanzierung des LTnter- *) Trotz unserer telegraphischen Nachfrage haben wir bis jetzt von unserem Jaffaer G-Korrespondenten keine Mitteilungen erhalten. Die Winterstürme verhinderten die Landung der Schiffe in Jaffa. Telegraphische Ueberweisung unserer Korrespondenz ist bei den hohen Preisen des einzelnen WTortes (50 cts) eine zu teure Sache. Wir werden dafür mit der nächsten Nummer wieder eine grössere Reihe Original-Korrespondenzen bringen. — 24