Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das jüdische Kolonisationsgebiet Judäas
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 5)
- Language
- German
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In manchen älteren Kolonisten lebt noch etwas von dem Geiste der ,3Biluinr' und sie zeigen mit Stolz die Stätte, wo die erste Holzhütte gestanden. Die ganz kleine Kolonie (etwa 130 Bewohner) hat manches schwere Schicksal durchgemacht, war z. B. einmal durch eine Viehseuche fast um allen Besitzstand gebracht, ein anderesmal von einer förmlichen Belagerung umgebender Araberscharen bedroht. Und wenn dazu noch eine Neueinwanderung seit langer Zeit nicht erfolgt ist, so scheinen doch die Kolonisten mit allem Eifer an dem inneren Ausbau ihres kleinen Gemeinwesen zu arbeiten. Wieviel in dieser Beziehung von den Kolonisten selbst abhängt, zeigt ein Vergleich mit K a s t i n i e h. Klimatisch und landschaftlich mindestens ebenso günstig gestellt als Katra, macht diese Kolonie mit ihren Holzhäuschen — die von der Rothschildschen Administration einmal hergestellt und nicht erneuert wurden — einen ärmlichen, die Bevölkerung in ihrem Fanatismus einen etwas komischen Eindruck. Ein Lehrer, der sich von Jaffa aus in die ferne Einöde versetzt hat, um dort Spuren von Kultur zu säen, hat mit den kleinlichsten Dingen zu kämpfen. So besuchen von 26 Schülern nur etwa die Hälfte die Schule, die selbst durch eine enge dumpfe Stube dargestellt ist, die anderen gehen zu einem Melamed, einem Chalukajüngling aus Jerusalem. Die hebräische Sprache selbst ist bei der Bevölkerung als „goi'sche'' verpönt usw. Auch Ekron ist durch den orthodoxen Geist der Einwohner bekannt, die seinerzeit wegen des. Sabbatjahres (in dem sie zu arbeiten sich weigerten), harte Kämpfe mit der Administration zu bestehen hatten. Anderseits zeichnet sich aber gerade diese Kolonie durch die Arbeitsamkeit ihrer Bewohner aus, die als die ersten von dem „süssen Joche'' der Wohltätigkeitsich befreit haben. Dies liege allerdings darin begründet, dass die Kolonisten fast durchaus aus russischen Ackerbaukolonien stammen. Der Boden wird mit Obstbäumen, grösstenteils aber mit Getreide bepflanzt. Die Lage von Ekron ist insoferne interessant, als sich sehr nahe von hier das grosse englische Ausgrabungsgebiet von Gezer befindet. Die letztgenannten Kolonien haben in den letzten Jahren keine merkliche Vergrösserung erfahren — und doch wäre es falsch, von einem Stillstands zu sprechen. Denn gerade in dieser Zeit haben sie sich in bemerkenswerter Weise zur wirtschaftlichen Selbständigkeit durchgerungen und dies trotz eines ungeheuren Steuerdruckes, der in Katrabis auf 35, in Ekron bis auf 50 Prozent des Ertrages ansteigen soll, und trotzdem eine räumliche Erweiterung unter den herrschenden Besitzverhältnissen schwer möglich erscheint. Mit diesen Hauptkolonien ist die Reihe der jüdischen Landgebiete in Judäa nicht erschöpft. Da gibt es noch zwei eben gegründete Kolonien. B i r - J a k o b und E i n - G a n i m. Erstere Kolonie 20