Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ein jüdisches Zentrum
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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sie. Nach Zion kommen sie jetzt mit verschiedenem! Gesichtsausdruck, mit verschiedenen Gebräuchen, mit verschiedenen Trachten, mit verschiedenen Sprachen zurück, um die Verschiedenheiten abzuschütteln, die den einen von dem anderen trennen, um wieder ein vereinigtes Volk mit einer Sprache, mit einer Kultur, mit einer Psyche zu werden. Aber dieser Prozess der Assimilation geht selbst zwischen einem Teil Juden und dem anderen nur sehr schwer vor sich. Die Juden aus den verschiedenen Ländern leben abgesondert und jeder drückt auf seine Art die Sehnsucht nach dem Jerusalem der Zukunft aus. Die Juden Jerusalems sind Sephardim, Aschkenasim, Mugrabim, Bucharer, Teimoner, Perser, Syrier, Mesopotamier und Grusinier. Sephardim, zu denen auch die Juden aus den asiatischen und afrikanischen Ländern gehören, zählt man 18,450 und 22,060 Aschkenasim, zu denen die Juden aus Westeuropa gerechnet werden. Bis zu den letzten Jahren der Emigration waren die Sephardim in der Mehrzahl. Ihre Gemeinde in Jerusalem wird noch heute offiziell als die einzige angesehen. Sie allein ist von der Regierung anerkannt. Die Sephardim stammen von jenen Juden, die aus Spanien gekommen sind. Untereinander reden sie in dem wohlklingenden spanischen Jargon, in welchem sie auch eine ganze Anzahl von Zeitungen aus Konstantinopel und Smyrna bekommen. Alle beherrschen gut das Arabische, und die Männer reden auch' ein schönes Hebräisch. Die meisten kleiden sich wie die Araber, aber auch die europäisch Gekleideten können vom Fez nicht lassen. Ihre Chachamim tragen einen schwarzen Talar mit breiten Aermeln, das rote Fez mit einem weissen Band versehen. Man sieht sie oft auf der Strasse — hohe, starke Figuren mit schönem, stolzem Gesicht. In der Hand tragen sie nach Art eines arabischen Scheichs eine Anzahl Korallen, die sie langsam in die andere Hand fallen lassen. Die Frauen kleiden sich in den besseren Ständen europäisch, die Masse aber arabisch. Viele Frauen gehen auf der Gasse eingehüllt, wie die Araberinnen, in weissen Tüchern oder tragen ein schwarzes Kleid, über welches ein Kragen geworfen wird, der die obere Hälfte des Körpers und den Kopf deckt. Andere tragen auf der Gasse das Gesicht verschleiert. Es gibt Sephardim, wenn auch sehr selten, die zwei Frauen haben. Die Mehrzahl der Geschäfte in Jerusalem ist in den'Händen der Sephardim. Sie sind Händler und Handwerker. Chalukkah bekommen bei ihnen nur die Chachamim, welche studieren, Dajanim, Lehrer in den Talmud-Thoraschulen und Arme, welche nichts verdienen können. Die Sephardim sind nicht so fanatisch wie die Aschkenasim. Sie schicken ihre Kinder gerne in 10