Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Die Ziele der Palestine Land Development Company Ltd.
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
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in vielen Fällen in einiger Entfernung von den jüdischen Kolonien Land kaufen und sich auf diesem Lande ein Wohnhaus errichten. Nicht jeder will aber die Unbequemlichkeiten einer solchen isolierten Ansiedlung (Mangel an Verkehr, an Unterricht, an Koscherfleisch usw.) in den Kauf nehmen; nicht jeder hat den Mut, als erster außerhalb _der jüdischen Kolonien in arabischer Umgebung zu wohnen, und in vielen Fällen kann eine Besitznahme von Land fern von den jüdischen Kolonien in der Tat nur dann empfohlen werden, wenn das Land sofort von einer größeren Zahl kräftiger Leute, welche den Arabern Respekt einflößen, in Besitz genommen wird. Die bisher erwähnten Hindernisse ließen sich verringern, wenn sich eine größere Anzahl von Personen zu gemeinschaftlichem Kaufe und gemeinsamer Installierung in Palästina zusammenfände. Aber es ist außerordentlich schwer, eine vielköpfige Menge, die aus verschiedenen Ländern nach Palästina zusammengeströmt ist, hier zu einem gemeinsamen Handeln zu organisieren und zusammenzuhalten. In den meisten Fällen scheitert der Versuch daran, daß sich die verschiedenen Wünsche von zehn oder zwanzig Familien nicht vereinigen lassen. Kommen aber bereits organisierte Gruppen von Juden zwecks Ansiedlung von Europa nach Palästina, so ergeben sich noch andere Hindernisse, nämlich: 5. Das lange Warten bis zur definitiven Niederlassung. Es kann mitunter zwei bis drei Jahre dauern, bis die Kaufverhandlungen, die Vorbereitung des Bodens, die Herstellung der Straßen und Brunnen, der Bau von Häusern usw. beendet ist und die Einwanderer daran gehen können, den Boden zu bewohnen und zu bearbeiten. In diesen zwei bis drei Jahren verzehren die neuen Einwanderer nicht nur einen großen Teil ihres Kapitals, sondern verlieren überhaupt die Lust zur Landarbeit. Einige Familien finden in anderen Berufen Beschäftigung, einige fahren nach Europa zurück und der Rest verfällt dann allzu leicht in Desorganisation und Mutlosigkeit. 6. Mangelnde Kenntnis und Erfahrung in der.Land Wirtschaft. Da die Mehrzahl der einwandernden Juden mit der Landwirtschaft nicht vertraut ist, ist es natürlich, daß sie bei ihr Seßhaftmachung technische Fehler begehen, welche ihre ohnehin meist beschränkten Mittel noch weiter schmälern und oft zu einem vollständigen Mißerfolge der Kolonisation führen. 7. Geringe Aussichten zum Vorwärtskommen für Landarbeiter. Die bisher angegebenen Schwierigkeiten gelten hauptsächlich für solche Leute,, die, mit einem Kapital von 12.000 bis 15.000 Francs (5000 bis 6000 Rubel) ausgerüstet, in Palästina sofort eine selbständige bäuerliche Existenz begründen wollen. Noch größer als für sie sind die Schwierigkeiten für die unbemittelten jungen Leute, die ohne Mittel nach Palästina kommen, um als Landarbeiter hier zu arbeiten. Palästina könnte einen noch viel größeren Zufluß dieser Arbeiter bekommen und damit ein für die Kolonisation außerordentlich wertwolles Menschenmaterial ins Land ziehen, wenn es möglich wäre, den Arbeitern ein allmähliches Aufsteigen zu einer selbständigen Existenz zu ermöglichen. Bisher hat der unbemittelte Arbeiter bei den palästinensischen Lohnsätzen keine Möglichkeit, Geld zu sparen und aus eigenen Kräften zu einem Stück Boden und zu einem Häuschen zu gelangen. Diese Aussichtslosigkeit der Lage der jüdischen Arbeiter schreckt viele junge Leute in Osteuropa von der Auswanderung nach Palästina ab und hat sogar viele eingewanderte Landarbeiter wieder aus Palästina vertrieben. 50