Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Land- und Gartensiedlungen [Rezension]
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 3)
- Language
- German
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von Industriearbeitern" von D. J. Altenrath.) Hiebei werden die verschiedenen Methoden der Ansiedlung, die Beschaffung der Erwerbungsmittel im Wege der Rentengutsgesetze, das Erbbaurecht u. s. w., ferner die Frage nach den Vorzügen des Einzel- und des genossenschaftlichen Eigentums behandelt. Wie viel leichter erscheint von so vielen Gesichtspunkten aus die Durchführung mancher dieser Bestrebungen heute noch in dem sozial jungfräulichen Palästina. Ein Aufsatz von Dr. Stieger behandelt „die wirtschaftliche Förderung des Landarbeiters und Landsiedlers;" es werden verschiedene Ratschläge in Bezug auf die Ausgestaltung des wirtschaftlichen, gemeindlichen und kulturellen ländlichen Lebens gegeben. In einer direkt auf die Erhaltung gesunden Volkstums zielenden Weise erscheinen diese Bestrebungen konzentriert in ländlicher Wohlfabrts- und Heimatspfege, die das Ziel eines gleichnamigen Vereines bildet. Ein längerer Aufsatz von Dr. A. Hoffmeister behandelt die „innere Kolonisation" worüber an anderer Stelle gesprochen wird. Für tiefer an den behandelten Fragen Interessierte bietet das Buch ausführliche Quellenangaben. Ganz vorzüglich ist die Ausstattung des Buches. Von Künstlerhand sind dem Texte Farbendrucktafeln in großer Zahl beigegeben, welche, schon an sich betrachtet, die Harmonien menschlicher Wohnweise mit der Naturumgebung in malerischer Weise veranschaulichen. Dazu kommen den Text begleitend, mehr als 200 Photographien einzelner Anlagen sowie ganzer Partien von Dörfern und Städten, architektonische Entwürfe, Skizzen usw. Es wäre wo-hf wünschenswert, daß in Palästina Exemplare dieses Buchesexistierten um den Sinn für das bauliche Problem bei neuen Siedlungen und manche Seiten des Wirtschaftsproblems anzuregen, wenn auch Stil und Methoden der Durchführung hier ganz anderen Wirklichkeitsbedingungen unterworfen erscheinen. ° E. M. \S Die Unruhen in Ostpalästina. Ueber die Unruhen in Kerak waren die widersprechendsten Gerüchte verbreitet. Die europäischen Zeitungen sprachen von großen Massakres, bei denen tausehde friedliche Einwohner niedergemetzelt wurden; die türkischen Blätter hingegen sprachen nur von einigen Opfern aus der Reihe der militärischen Verteidiger. In ihrer Neujahrsnummer brachte die „Frankfurter Zeitung" den Bericht eines Augenzeugen, des englischen Missionärs M. Archibald Forder. Seinem Berichte zufolge hätten die Beduinen, als an sie seitens des Komandanten des Expeditionskorps, Samy Pascha, das im Haurän soeben die Pazifizierung durchgeführt hat, der Befehl kam, die Waffen niederzulegen, verlangt, daß eines der in Kerak stehenden zwei Bataillone sich zu den einzelnen Stämmen begeben möge, um die Waffen einzufordern. Kaum war dieses Bataillon von Kerak entfernt, als zehn Stämme mit mehr als 20.000 Reitern Kerak überfielen, das Gouvernementsgebäude niederbrannten, ca 20 Gendarmen töteten und aus der Regierungkasse 15.000 Pfund raubten. Einige Beamte samt ihren Familien wurden getötet, Basare ausgeraubt und sogar das Hospital überfallen und die Kranken getötet. Dann wurden alle öffentlichen Gebäude in Brand gesteckt. Anderen Nachrichten zufolge zerstörten die Beduinen auch die Stationen der Hedjazbahn bis Maän. Auf diese sollen sie besonders erzürnt sein, weil sie durch die Bahn das einträgliche Geschäft mit den früher zu Fuß reisenden Mekkapilgern verloren und von der Bahnverwaltung verschiedene Wasserplätze mit Beschlag belegt wurden. General Samy Pascha schickte sofort" eine größere Trüppenrhässe gegen die Aufständischen. Es kam zu schweren Kämpfen, bei denen die 46