Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Von landwirtschaftlichen Schulen
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 3)
- Language
- German
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Hofstelle, Gemüsegarten, Obstplantage, Feldern, Wiesen, einem kleinen Stück Forst und endlich aus Moor und Heide, die zur Umwandlung in Wiesenland, Forst und Fischteiche in Angriff genommen werden. Der Boden wechselt zwischen Ton, Lehm, humosem und anmoorigem Sand, so daß die für Lehrzwecke wichtigsten Bodenarten vertreten sind." Es sollen alle Kulturarten betrieben und Viehzucht gepflegt werden. Das Bureau ist mit jenem der Stiftung verbunden. Das Lehrerpersonal umfaßt einen Wirtschaftsleiter, dem die praktische Ausbildung der Lehrlinge überantwortet ist, einen Lehrer, der zugleich Internatsleiter ist, ferner den Direktor einer benachbarten landwirtschaftlichen Winterschule, der den theoretischen Unterricht besorgt. Die Anstaltsräume gehören einem schon miterworbenen Wohnhause an: es befinden sich darunter gemeinsame Schlaf-, Speise-, Wasch-, Baderäume und ein großer Aufenthaltsraum, der gleichzeitig als Unterrichtszimmer verwendet wird. Die Lehrzeit beträgt im allgemeinen drei Jahre. Eine andere Schule wurde kürzlich, gleichfalls von Deutschen, in Palästina gegründet: in der Kolonie Wilhelma (zwischen Petach- Tikwah und Beth-Schamen gelegen). Sie scheint an Einfachheit geradezu das Gegenbild der Kolonieschule darzustellen. Unter enorm mäßigen Aufnahmsbedingungen (ohne konfessionelle Unterschiede) soll der Unterricht theoretisch sich dem Lehrplane der landwirtschaftlichen Mittelschulen Deutschlands anschließen und wesentlich auf die Praxis gerichtet sein. So soll sich z. B. der praktische und demonstrative Unterricht eng an den theoretischen Unterricht anschließen, was z. B. in Mikweh-Ismel nicht geschieht. Ueber die landwirtschaftliche Ausbildung unseres jüdischen Kolonistenelements soll aber ein anderesmal berichtet werden. .. „Land- und Gartensiedlungen." Von Willy Lange (Leipzig, Verlag J. J. Webe r). Die modernen reformsiedlerischen Bewegungen umfassen ein weites Gebiet menschlicher Interessen. Ist es doch schon logischerweise einleuchtend, daß, wo einmal die Fragen der Gründung menschlicher Gemeinschaften angeregt wird, die Frage dieser Gemeinschaft eben alle menschlich-sozialen Fragen bedeuten. In diesem Sinne ist natürlich das Siedlungsproblem, dort wo es sich wie bei uns um ein Neugründen handelt, in gewisser Beziehung noch weittragender und verantwortungsvoller als wo in bestehende, #ar sehr reformbedürftige Zustände planmäßig heilsame Verbesserungen hineingetragen werden sollen. Gemeinsam bei beiden Bedingungssphären ist nur, daß weder die träge Phrase des von selbst sich vollziehenden Fortschritts noch die Tendenz unbedachten Umsturzes etwas Neues zu schaffen vermögen, daß hier wie dort das Neue in den Quellen der ganzen Lebensformung, so geringfügig dieselben erscheinen mögen, zu suchen ist. Vorliegendes Buch ist aus den Ergebnissen verschiedener Arbeiten aus Anlaß eines Preisausschreibens zur Erlangung künstlerischer Entwürfe für eine Landsiedelung entstanden. Das ästhetische Moment findet darin am allermeisten Berücksichtigung. Es bildet den Gesichtspunkt, welcher äußerlich die verschiedenen Arbeiten vereinigt, die doch auch von einer Art gemeinsamen Ideenstiles getragen sind. Es gilt keine Einseitigkeit; 44