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Palästina · 1911-01-01 · Heft 1-2 · p. Seite 43

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 1-2
Article
Von landwirtschaftlichen Schulen
Date
1911-01-01
Page
Seite 43 (sequence 2)
Language
German
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ist, sei insbesondere jener Punkt hervorgehoben, der auf die deutsche Kolonisationspolitik und auf ihre pädagogische Seite ein Schlaglicht wirft. „Es sollen junge Leute, welche sich in den Kolonien betätigen wollen, in erster Linie aus den gebildeten, führenden Schichten ausgewählt werden" und wird außer einer gründlichen theoretisch-wissenschaftlichen Ausbildung auf die praktische Tüchtigkeit, welche jeden in den Stand setzen soll, jede Arbeit selbst ausführen zu können, großes Gewicht gelegt. Völlig anders als beim deutschen Volke, das übrigens, wo es kolonisatorische Erfolge erringen will, doch auch der schwierigsten Arbeit der Einzelnen bedarf, steht es mit der Judenheit der westlichen Länder. Immerhin scheint auch hier ein Funke von Interesse für landwirtschaftliche Berufe aufzudämmern. Jüdische Landpächter, manchmal auch Bauern, gibt es ja außer in Rußland auch in Ungarn, Galizien, Mähren und Sachsen. Und in den Vereinigten Staaten hat sich unlängst sogar ein Bund jüdischer Farmer gebildet. In Deutschland bestehen jetzt auch zwei derartige jüdische Lehrinstitute, beide in Hannover; das eine die Erziehungsanstalt in Ahlem, das andere das aus den Mitteln der Simonstiftung gegründete Land- und Lehrgut für Landwirtschaft in Steinhorst b e i C e 11 e. In Ahlem wird vor allem G a r te n b au, dann auch Handfertigkeits- (Handwerks-)unterricht erteilt. Die Schule besteht aus zwei Abteilungen: der Schülerabteilung, die von Knaben und Mädchen bis zu 14 Jahren gemeinsam besucht wird, und der Lehrlingsabteilung, außerdem einem Mädchenhause. Außer dem Direktor wirken an der Anstalt gegenwärtig: sechs Lehrkräfte, außerdem eine Oberin und drei weibliche Lehrkräfte in der Mädchenabteilung. Die Schule verfügt noch über zwei Gärten, aus deren Ertrag in den , letzten beiden Jahren kleine Gewinne erreicht wurden, und über verschiedenartige Werkstätten (Tischlerei, Schuhmacherei, Bäckerei usw.). In der Mädchenabteilung ist noch ein besonderer zweijähriger (sowie auch ein einjähriger) Haushaltungskursus eingerichtet. Im Jahre 1910 betrug die Anzahl der Schüler 57, der Lehrlinge 44, der Zöglinge des Mädchenhauses 44, der Haushaltungszöglinge 64. Seit Bestehen der Anstalt sind aus der Schülerabteilung 168 entlassen. Davon wurden 42 Gärtner und Landwirte, 65 Handwerker, 40 Kaufleute, 9 Lehrer. Von 174 aus der Lehrlingsabteilung entlassenen Gehilfen wurden 163 Gärtner, 11 Handwerker. Von den 163 Gärtnern sind 63 in Deutschland tätig, davon 52 in der Gärtnerei, ferner 9 in Oesterreich, 29 in Amerika, 4 in Rußland, je 1 in Deutsch-Guinea, in England und in Palästina. Dem Prospekte des Lehrgutes Steinhorst entnehmen wir folgende Einzelheiten: „Wohlhabende Dörfer, ausgedehnte Wälder und Heide- und Moorflächen, die zunehmend der Kultur erschlossen werden, bezeichnen den Charakter der Gegend. Das Gut hat eine Ausdehnung von annähernd 900 Morgen (etwa 230 ha über 2500 Dünam). Es besteht aus einer großen 43

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