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Palästina · 1911-01-01 · Heft 1-2 · p. Seite 24

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Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 1-2
Article
Die französische Kolonisation in Nordafrika
Date
1911-01-01
Page
Seite 24 (sequence 9)
Language
German
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ist, halten wir es für nützlich, unseren Lesern eine kurze Darstellung des Ganges der französischen landwirtschaftlichen Kolonisation in Nord-Afrika zu geben. Wir werden sehen, daß man dort zu wiederholten Zeiten Methoden angewendet hat, welche uns noch heute neu scheinen können, und wir werden sehen, wie sie sich in diesen Ländern, deren Bedingungen denjenigen, mit denen wir zu tun haben, fast in jeder Beziehung vergleichbar sind, bewährt haben. Wir werden versuchen, die Mittel und Wege aufzuzeigen, welche durch eine Erfahrung von mehr als 70 Jahren zu Ehren gebracht, es den Franzosen ermöglicht haben Resultate zu erreichen, welche allgemein als befriedigend bezeichnet werden. Wildwachsende Getreidearten in Palästina und Syrien. In einer Abhandlung, der „Verhandlungen der k. k. zoologischbotanischen Gesellschaft" in Wien veröffentlicht A. Aaronsohn eine Uebersicht über den Stand dieser wichtigen Entdeckung, die durch die ersten Berichte, resp. Abdrucke in „Altneuland" 1906, Nr. 6, 7 und 9 sowie durch die teilweise wörtlich übereinstimmende Darstellung in dem englischen Berichte willkommen ergänzt wird. Hier sei die Uebersicht in kurzem Auszuge wiedergegeben: Der österreichische Botaniker Kotzschy hatte vor mehr als fünfzig Jahren von einer Expedition in Palästina eine Pflanze heimgebracht, die Körnicke, der hervorragendste Zerealienforscher, viel später als die Urform des Kulturweizens betrachtete. Obwohl der Fundort der Pflanze verzeichnet war (Raschaya, am Fuße des Hermon), so blieb ihre Spur doch mehr als ein halbes Jahrhundert verschollen. Aaronsohn unternahm es nun im Jahre 1904 nach dieser Pflanze zu suchen. Vergebens suchte er sie in der Umgebung des angegebenen Dorfes und mußte erst durch einen Zufall auf sie stoßen. Gelegentlich eines Aufenthaltes in Rosch- Pinah gewahrte er nämlich inmitten der Weingärten dieser Kolonie in der Spalte eines Kalkfelsens eine Pflanze, die ganz wie eine Getreidepflanze aussah und sich bei näherer Betrachtung als eine Triticum- (Weizen-)art erwies, deren Spindel brüchig war und deren reife Aehrchen sich bei der geringsten Erschütterung lockerten. Dies waren die Eigenschaften, durch welche sich die wilden Formen auch anderer Getreidearten von den kultivierten Formen vor allem unterscheiden, da hiedurch eben die (erst später durch den Anbau ersetzte) ursprünglich natürliche Verbreitung der Samenkörner gesichert ist. Und zwar erwies sich die Pflanze als zu jener Unterart gehörig, die den Funden in ägyptischen TotenKammern und Schweizer Pfahlbauten zufolge, den ältesten kultivierten Weizen lieferte und als Emmer (Triticum dicoccum) bezeichnet wird. Erst jetzt konnte Aaronsohn gerade an den unbebauten Abhängen in der Nähe von Raschaya sowie im ganzen Abhangsgebiet des Hermon den Urweizen in großen Mengen vorfinden. Erstaunlich war insbesondere die große Formenmannigfaltigkeit, in welcher die äußerst fruchtbare Pflanze auftrat. So schienen sich z. B. Uebergangsformen zu gewissen anderen Varietäten des Weizens vorzufinden. Die wichtigsten Schlüsse ergeben sich aus dem Vorkommen der Pflanze. Sie gedeiht vornehmlich in völlig unbebauten, regenarmen, felsigen Gegenden, wo das Gestein nur von einer dünnen Erdkrume bedeckt ist. Die Pflanze kann keine bloß verwilderte Form bedeuten, weil 24

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