Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Die französische Kolonisation in Nordafrika
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Aber obwohl ich mich ein wenig als Schüler dieses großen Meisters bezeichnen kann und wie stolz ich auch auf diese Ehre bin, muß ich sagen: wenn dieses Uebel ein reales ist, es genügt nicht, um für sich allein alles zu erklären. Haben die Erfahrungen, welche wir seither in Palästina selbst mit einer Kolonisation ohne Bevormundung, aber mit demselben Menschenmaterial gemacht haben, dies nicht zur Genüge bewiesen? Da entdeckte man einen neuen ausschließlichen Uebelstand: die Willkür der Funktionäre einer schlechten Regierung. Bald hörte man überall nur einen Ruf: Was das Gedeihen der Kolonisten hindert, ist die schlechte türkische Verwaltung, die erdrückenden Steuern etc. Auch diesbezüglich will ich die Richtigkeit der Tatsache nicht bestreiten. Ich kenne aus der Erfahrung meines ganzen Lebens die Lage, in welche der türkische Steuerzahler durch das alte Regime gebracht wurde und welche wohl auch unter dem neuen sich nicht vollständig geändert hat. Aber hat dies genügt, um das Gedeihen unserer Kolonisten zu verhindern? Ich glaube es nicht, und zwar aus folgendem Grunde: Wenn man bei sonst gleichbleibenden Bedingungen die palästinensischen Kolonisten den üblen Wirkungen der hamidischen Regierung und der administrativen Bevormundung entziehen könnte, so würden die nacheinander als Hauptursachen der Mißerfolge geltend gemachten Faktoren mit einem Male beseitigt sein und die zu Kolonisten gewordenen jüdischen Proletarier müßten reüssieren. Theoretisch ist dies vielleicht richtig, aber auch hier wird die Theorie durch die grausame Sprache der Tatsachen Lügen gestraft, die Erfahrung mit Cypern beweist es: Diese Insel ist in landwirtschaftlicher Beziehung, soweit wie nur möglich, mit Palästina vergleichbar. Geologisch genommen, ist Cypern nur ein vom syrischen Massiv losgelöster Fetzen, und man hat sogar die — freilich mehr kühne als gegründete — Hypothese aufgestellt, daß unterseeische Beziehungen zwischen den Bodenschichten Palästinas und Syriens fortbestehen blieben, derart, daß man, ohne es vielleicht zu ahnen, vom Libanon kommendes Wasser genießt, wenn man Wasser vom Gipfel des Trodos-Berges trinkt. Wie dem auch sei, Cypern erfreut sich einer vortrefflichen Verwaltung. Eine unsichtbare Handvoll Engländer — fast hätte ich gesagt: eine unsichtbare englische Faust — hält die Ordnung und Gerechtigkeit auf der Insel in musterhafter Weise aufrecht. Die Kolonisten, welche die ICA. in Cypern angesiedelt hat und welche weder unter der Bevormundung der ICA., noch unter der Willkür von Behörden zu leiden hatten, 18