Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Die französische Kolonisation in Nordafrika
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Aufrichtigkeit besitzen und ihn ehrlich bekennen — erklärte ich meinem Besucher, daß ich an den Erfolg der proletarischen Kolonisation nicht glauben könnte. In die Augen springende, historische Mißerfolge haben mich stets in dem Pessimismus, von welchem ich in dieser Beziehung erfüllt bin, bestärkt. Im Jahre 1850 kam die parlamentarische Kommission, welche damit betraut war, die landwirtschaftlichen Kolonien von Algier zu untersuchen, zu dem Schlüsse, es sei unmöglich, aus Leuten ohne Mittel, ohne Vorbildung für den Beruf und ohne Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klima, sich wirtschaftlich behauptende und erfolgreiche Kolonisten zu machen. Und überall, wo man sonst seither den gleichen Versuch gemacht hat, hat man den gleichen Mißerfolg erlitten: in Bosnien und der Herzegowina mit deutschen Kolonisten, in Südamerika mit italienischen oder spanischen Einwanderern, in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika, überall ist man gescheitert, wenn man Kolonisten „machen" wollte, wenn man mittellosen und in der selbständigen Führung von Unternehmungen irgend welcher Art unerfahrenen Menschen einen landwirtschaftlichen Betrieb, der sie nichts kostete, anvertraute und ihnen dazu noch die für den Lebensunterhalt bis zur nächsten Ernte erforderlichen Mittel zur Verfügung stellte. Weder der Boden, noch das Klima, noch die geographische Länge, Breite oder Höhe, nicht einmal die Rasse oder Nationalität scheinten daran etwas Erhebliches zu ändern, die soziale Klasse ist es offenbar, worauf es ankommt. Ueberall., wo man versucht hat, einfache Proletarier in Besitzer umzuwandeln, waren diese der Aufgabe nicht gewachsen. Gewiß, sie können hiefür ihre guten Rechtfertigungsgründe haben, aber die Tatsache, wie grausam sie auch sei, steht darum nicht weniger fest. Und um nicht fernliegende Beispiele zu suchen, haben wir schon die Enttäuschungen vergessen, die unsere jüdische Kolonisation, die im ganzen und großen eine proletarische Kolonisation war, uns gebracht hat? Auch hier fehlt es nicht an anscheinend triftigen Rechtfertigüngsgründen: Wir wollen rasch zwei von diesen sogenannten Rechtfertigungsgründen einer Prüfung unterziehen: Zuerst war es die DIDB die Bevormundung der Kolonisten, worin das ganze Uebel begründet gewesen sein soll. Kein Geringerer als Achad Haäm hat in scharfsinnigen Untersuchungen die Ausdehnung dieses Uebels gewürdigt und seine Diagnose und Prognose gestellt 17