Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 9-12 (September 1907)
- Article
- Wirtschaftlicher Aufschwung in Palästina [Nachricht]
- Date
- 1907-09-01
- Page
- Seite 288 (sequence 5)
- Language
- German
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— 288 — Ebenso entwickeln sich die Binnenhandelstraßen und stellen den geschäftlichen Unternehmungen im Lande eine günstige Prognose. Sehen wir ab von der Bahnstrecke Haifa-Damaskus, die erst im August 1906 dem Verkehr übergeben wurde und die palästinische Küste mit dem Hinterland, namentlich mit der Kornkammer Syriens verbindet, so vermittelt eine französische Linie bereits seit 1892 den Verkehr zwischen Jaffa und Jerusalem. Ihre finanzielle Lage erscheint gegenwärtig dank dem stetig wachsenden Personen- und Handelsverkehr recht günstig. Im verflossenen Jahr benutzten die Bahn 9500 Passagiere I. und 91500 II. Klasse, während der Güterverkehr sich auf 34-000 Tonnen bezifferte. Letzterer brachte eine Einnahme von 336000 M., erstere eine solche von 412 000 M.; das ergibt nach Abzug der Betriebsunkosten einen Überschuß von 484000 M. oder 643/4 pZt. Nettoverdienst. Der Frachtsatz beträgt auf der Strecke Jaffa-Jerusalem (87 km) 18—22 Francs per Tonne, der Kameltransport stellt sich um 4—5 Francs billiger. Es ist aber charakteristisch, daß die Bahn alsbald bedeutend höhere Tarife ansetzt, sobald wegen der Größe oder des Gewichts der Last die Konkurrenz des Kameltransports fortfällt. An Handelsstraßen ist im verflossenen Jahr die Strecke Jaffa-Nabulus (Sichern) fertiggestellt; allerdings so mangelhaft, daß man. bereits für das erste Verkehrsjahr bedeutende Reparaturen befürchtet. Ferner ist eine neue und weniger steile Fahrstraße zwischen Jerusalem und Jericho (via Totes Meer) in Arbeit: und endlich ist in Gaza die längst geplante eiserne Landungsbrücke am 8. Dezember 1906 von der deutschen Eisengießerei in Jaffa fertiggestellt worden. Von größter Bedeutung für den Schiffsverkehr in Gaza wie für die Entwicklung des Handelsplatzes selber müsste ein Schienenweg, oder zum mindesten eine Fahrstrasse, werden, die die 3x/4 km landeinwärts gelegene Stadt mit dem Meere verbände. Auf beide Notwendigkeiten wies bereits 1899 der kaiserlich deutsche Konsulargericht aus Jerusalem hin; die Landungsbrücke ist inzwischen gebaut und zwar von einer deutschen Firma. Eine deutsche und eine belgische Gesellschaft haben Studien für Strassenbahnen in Jaffa und Jerusalem gemacht, und schon seit Jahren spricht man von einer elektrischen Bahn zwischen Jerusalem und Bethlehem oder Bethanien—Jericho. Bisher stand der Verwirklichung dieser Pläne die ablehnende Haltung der Hohen Pforte gegen elektrische Betriebe entgegen. Aber das grundsätzliche Verbot seitens der Regierung besteht heute nicht mehr; für Beirut, Damaskus, Smyrna, und Saloniki sind bereits Konzessionen für die Anlage elektrischer Beleuchtung, und elektrischer Strassenbahnen erteilt worden, und um die Konzession zu elektrischen Strassenanlagen in Konstantinopel bewirbt sich neben einer amerikanischen Rockefeller nahe stehenden Gruppe ein deutsches Werk. So öffnet sich, sobald die im Schwinden begriffene Abneigung der massgebenden Kreise gegen die Verwendung von Elektrizität zu Beleuchtungs- und Kraftzwecken gänzlich geschwunden ist, dem ausländischen Kapital und der ausländischen Industrie ein neues weites Betätigungsfeld, Banken im Orient. Der Aufsichtsrat der Deutschen Palästina^Bank schlägt 6 °/0 Dividende vor (gegen 5 % i. Vorj.). Die . Deutsche Orientbank A.-G. in Berlin erzielte einen Reingewinn von 392814 Mk. Es soll der Generalversamminng die Ausschüttung einer Dividende von 4 °/0 vorgeschlagen werden.