Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 9-12 (September 1907)
- Article
- Wirtschaftlicher Aufschwung in Palästina [Nachricht]
- Date
- 1907-09-01
- Page
- Seite 287 (sequence 4)
- Language
- German
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— 287 — Orangengärten bei Jaffa bewässern, Sauggas-Anlagen in Jerusalem und Jaffa von deutschen Firmen mit gutem Erfolg eingeführt worden. Der Vorzug der Sauggas- Motoren gegenüber den Dampfmaschinen liegt in dem sparsamen Verbrauch von Feuerung und Wasser, was für ein wasserarmes Land wie Palästina von höchster Bedeutung ist. Der starke Aufschwung des letzten Jahres ist hauptsächlich dem günstigen Ernteausfall zu verdanken, der. für die palästinische Bevölkerung geradezu eine Lebensbedingung bedeutet. Den mangelhaften Ernteergebnissen um die Wende des Jahrhunderts, zu denen sich noch 1902 die Cholera, von 1904 bis zum September 1906 eine verheerende Viehseuche gesellten, sind seit drei Jahren dank reichlichem und gunstig verteiltem Regenfall recht befriedigende, wenn nicht gute Ernten gefolgt. Nur die Gerste, das Haupterzeugnis des Gazadistrikts, hat im letzten Jahr infolge späten und unregelmäßigen Regenfalls einen Ausfall gehabt, sodaß statt 26 Schiffsladungen im Jahre 1905 nur 12 Ladungen — im Werte von 3 600000 M. ausgeführt wurden. Der Orangenexport erreichte die Höhe von 600 000 Kisten, das sind 150 000 mehr als im Vorjahr. Die Kiste mit 100—140 Früchten erzielte in Liverpool je nach Ankunftszeit und Quantität einen Preis von 5—11 M. Die Aussichten für die Baumwollkultur, die vor 1866 die ganze Küste von Gaza bis Tyrus bedeckte, stehen zur Zeit nach mancherlei fehlgeschlagenen Versuchen so günstig wie nie. Die Untersuchung des entkernten Produkts hat eine vorzügliche Qualität ergeben, die mi 0,59 M. pr. Pfund auf dem englichen Markt verkauft wird. Was den Handelsanteil der verschiedenen Länder an der Aus- und Einfuhr Jaffas betrifft, so steht nächst der Türkei, deren Handel 1906 sich auf 5200 000 M. (1905: 3840000 M.) belief, England nebst seinen Kolonien mit einem Gesamtumsatz von 5240 000 M. (1905: 4 000-000 M.) an erster Stelle. Dann folgen Ägypten mit 3320 000 M. (1905: 2280000 M.), Oesterreich-Ungarn mit 2480 000 M. (1905: 1580 000 Mark) und an fünfter Stelle steht Deutschland mit 1720 000 M. (1905: 1200 000 M.), dem Frankreich, Rußland, Belgien, Italien und die Vereinigten Staaten sich in der genannten Reihenfolge anschließen. In der Einfuhr rangiert es mit 7S0 000 M. an achter, in der Ausfuhr mit 940 000 M. an vierter Stelle. In Haifa-Akko betrug die Ausfuhr im Jahre 1904/05 39 695 Tons; davon ging fast die Hälfte nach Frankreich, nur 649 Tons in Sesam und Wein gingen nach Deutschland, Dagegen war der deutsche Handel an der Einfuhr mit landwirtschaftlichen Maschinen und Eisenbahnmaterial an dritter Stelle beteiligt. In den Hauptartikeln des Haifaer Marktes, Baumaterialien, Papier und Galanteriewaren, hat der deutsche Kaufmann gegen den französischen, belgischen, englischen und österreichischen Importeur noch nicht recht aufkommen können; immerhin hat sich der deutsche Schiffsverkehr dorthin — es kommt nur die Hamburger „Levante-Linie" in Betracht — durch die Materiallieferungen zum Bahnbau Haifa—Derat in letzter Zeit gehoben, wenngleich er noch an fünfter Stelle steht. Für Jaffa und das Innere des Landes geht ja seit dem letzten Jahre die Hamburg-Amerika Linie planmäßig im Arrangement von Saisonfahrten vor. Wie sie bereits für den oberägyptischen Reiseverkehr Bresche in das altenglische Monopol gelegt hat, so hat sie auch in Nabulus (dem alten Sichern) und Dschenin eigene moderne Hotels gegründet, die die Reise von Jerusalem nach Nazareth zu einer ohne große Umstände und Kosten ausführbaren machen. Die Zahl der Segler, die die Rehde von Jaffa anliefen, hat sich im verflossenen Jahre von 426 auf 522, die der Dampfer von 545 auf 602 gehoben, oder in Tonnen beträgt der Zuwachs 106979 Tonnen.