Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 9-12 (September 1907)
- Article
- Jüdische Organisationen in Palästina
- Date
- 1907-09-01
- Page
- Seite 263 (sequence 2)
- Language
- German
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— 263 — schaft". Die meisten Genossenschaften sind noch klein, so die der Tabakbauern und der Esrogpflanzer. Es ist aber ganz klar, daß z. B. der Esrogfiandel durch eine geschickte Genossenschaft vertreten, bald die christliche und arabische Konkurrenz aus dem Felde schlagen kann. Daß der einzelne jüdische Bauer nicht seine Ware allein anpreisen, expedieren und verkaufen kann, ist selbstverständlich. Die gemeinsame Aktion vermindert Spesen, sichert die Preise und erobert den Markt. (Bh jetzt liefern die Esrogim also Gegenstände für den jüdischen Kultus fast nur Nichtjuden!) Die Genossenschaft der Weinbauern ist schon eine recht respektable. Von den Bauern in Rischon-le-Zion hängen die großen Karmel-Firmen in Ägypten, der Türkei, Amerikas etc. ab. Die Organisation der jüdischen Bauern stellt eine große Weltfirma dar. Die Zahl der Genossenschaften wird damit noch nicht beendet sein. Die Besitzer der Orangenhaine, der Olivenvvälder, kurz aller agrikiilturellen Unternehmungen werden in dem Genossenschaftssystem die sicherste Gewähr ihrer Lage finden. Kürzlich sind für 50 00O Francs Orangen auf dem Transport verunglückt. Der einzelne Bauer vermag den Verlust seiner Ladung nicht zu verwinden. Die Organisation, die noch -über viele weitere Sendungen zu verfügen hat, kann den Verlust durch sonstige bessere Geschäfsabschlüsse ersetzen. Wie überall ist der einzelne eben machtlos und erst im Vereine stark. Bis jetzt hat allerdings vielfach der Baron von Rothschild die Verluste der Bauern reguliert, da dies aber mit der Zeit aufzuhören hat und aufhören muß, so empfiehlt es sich zur materiellen Gesundung schleunigst überall diese Form des Zusammenarbeitens zu empfehlen. Daß auch die moralische Gesundung durch diese Selbstverwaltung eintritt, ist selbstredend. Die Almosenbauern der ersten jüdischen Kolonisationsperiode waren keine Musterbauern, in keiner Hinsicht. Und noch eines! Die Genossenscliaftsform, die den Nutzen allen Beteiligten gewährleistet, ist sowohl eine durchaus moderne als auch sozial gerechte. Schon deshalb verdient sie von allen Seiten größere Aufmerksamkeit und Unterstützung denn bisher. Die Verhältnisse der Bauern können auf diesem Wege zur Sanierung geführt werden. Warum verschweigen, daß viel Künstliches in dem alten System der Technik der Ansiedelungen steckte; junge Kolonien brauchen zn Anfang immer große Kapitalien, die sie ungesehen verschlucken. Lehrgeld wurde auch in der Arbeiterfrage gezahlt. Eine befriedigende Lösung wird nicht rasch und leicht gefunden werden. Wer aber die stellenweise Not und das Elend kranker