Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 9-12 (September 1907)
- Article
- Wie entstand die naturhistorische Kollektion am "Bezalel"?
- Date
- 1907-09-01
- Page
- Seite 256 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2379786-2379797-2379803-2381629--01260-2381758- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 256 — Äpfel der Hesperiden vor. „Willst du also der Herkules sein", fragte ich ihn, „und den hundertköpfigen Drachen in Form von schwer zu passierenden Sümpfen und stacheligen Rohrstengeln überwinden?" Und als er mir antwortete: „Ala rasi. Mit meinem Kopfe werde ich sie nehmen", da betrachtete ich die Eier als bereits in meiner Kollektion befindlich. Aber wie sollte er Geld mitnehmen, wenn ganz Nordsyrien von Räubern wimmelt? Und in Antiochien gibt es weder eine Bank noch ein Reisebureau, durch welches die UeberWeisung des Geldes erfolgen könnte. Schliesslich gelang es mir, dank dem Entgegenkommen meines Freundes Herrn Paulus, des tüchtigsten Entomologen Palästinas und Syriens, Sekretärs am deutschen Konsulate in Jerusalem und Gönners des Museums am Bezalel, die Ueberweisung des Geldes an den deutschen Konsularagenten in Antiochien zu bewirken. In das eine Stunde vom Antiochia- See entfernte Dorf Aladin angelangt, versammelte Barziläi beim Schech el Celed alle Jäger von Aladin und zeigte ihnen das farbige Bild des Karabatak — so heisst| der Vogel türkisch — und alle sagten einstimmig, dass der Vogel hier existiere. Nun nahm Barziläi' den Schech, der den See wie kein anderer kennt und noch zwei Dorfbewohner mit sich; einer sollte den ungemein schmalen Kahn zwischen den Binsen stossen und der andere die Eier holen. — Der See selbst hat milchweisses Wasser von sehr angenehmem Geschmack und ist von solch dichten und hohen Rohrstengeln bewachsen, dass man ohne guten Ciceronen absolut keinen Ausweg aus demselben finden kann. — Den ersten Tag fanden sie tausende von Nestern mit zerbrochenen Eiern, denn es gibt einen gänsegrossen Vogel» der von Nest zu Nest geht und den Inhalt der Eier ausschlürft. Aber am zweiten Tag ging es besser, wenn auch mit grosser Gefahr. Nun wurde die Geschichte im Serail ruchbar und Barziläi wurde als armenischer Spion und alsjJDieb von kaiserlichem Gut angeklagt, da der Antiochia-See ausschliessliches Gut des Sultans ist. Man sperrte ihn für 10 Tage ein und wollte alle Eier zerbrechen. Aber der'dortige englische Konsul Doueck, der ein Jude ist, befreite schliesslich mit grosser Mühe sowohl Herrn Barziläi als alle zehn Arten von Eiern und darunter auch die des Schlangenhaisvogels. Nun zum Schluss noch eine kleine Bemerkung über die Lückenhaftigkeit der bisherigen faunistischen Forschungen in Palästina.