Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 9-12 (September 1907)
- Article
- Wie entstand die naturhistorische Kollektion am "Bezalel"?
- Date
- 1907-09-01
- Page
- Seite 255 (sequence 5)
- Language
- German
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— 255 — Früher erwähnte ich bereits, dass ich bald sechs Jahre an der „Fauna Palästinas" arbeite, wozu ich mich natürlich mit Angaben von Vorgängern nicht begnügen kann, sondern alles mit eigenen Augen sehen muss. Und dazu muss man reisen und zum Reisen gehört in einem Lande wie Palästina, wo man von Fremden lebt, sehr viel Geld, das ich leider nicht besitze. Ich muss also, um von allem eines oder mehrere Exemplare zu besitzen, Naturalien verkaufen. Ein berühmter Orloge, mit dem ich in Verbindung stehe, verlangte also von mir die Eier des Plotus Levaillantii (Schlangenhalsvogel), der zu den merkwürdigsten Erscheinungen der Vogelwelt überhaupt gehört. Das ganze Jahr hält er sich in Innerafrika auf und nur um sein Brutgeschäft zu verrichten, kommt er nach dem See von Antiochien, wo er bis zur Aufzucht der Jungen bleibt, um dann mit ihnen vereint wieder ihr Heimatsland aufzusuchen. Zwei Eigenschaften sind es, die den Vogel am meisten auszeichnen: Geschicklichkeit und Vernunft. Den ganzen Körper hält er gewöhnlich unter Wasser und als Ziel setzt er immer seinen schlangenartig sich windenden, leicht beweglichen und höchst dünnen Hals, sodass man auf letzteren ebenso zielen kann wie auf ein schwankes Haar, denn das ungemein scharfe Auge des Vogels lässt den Jäger nie auf Schussweite herankommen. Wird er nicht getroffen, was gewöhnlich der Fall ist, so taucht er augenblicklich ganz unter Wasser, ohne dass die mindeste Furchung der Oberfläche desselben seinen Weg verriete, und nach ungefähr 5 Minuten sagt er dem Jäger ein recht höfliches „Adieu" am entgegengesetzten Ufer. — Die stacheligsten zur Anlage des Nestes verwendeten Rohre legt der Vogel derart kreuzweise übereinander, dass deren Spitzen immer zur Seite hervorstehen und dem in den Leib dringen müssen, der sich dem Neste zu nähern getraut. Und wenn man noch dazu bedenkt, dass der beliebteste Wahlplatz des Nestes solche Seen sind, die von stundenlangen Sümpfen umgeben auch an sich von sumpfigen Inseln erfüllt sind, zwischen denen das Wasser halbtief ist, sodass man so einen See weder zu Fuss noch per Kahn zu passieren vermag, so ist das Bild vollendet. Ich rief also zu mir einen meiner ergebensten Freunde und heldenmütigsten Sammler, Herrn Barziläi, einen aus Russland stammenden jungen Mann, der über vier Jahre in Palästina lebt, vorzüglich arabisch spricht und nur ein Ideal hegt: ein jüdischer Beduine zu werden, und las ihm die Geschichte der goldenen