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Palästina · 1907-06-01 · Heft 6-8 (Juni 1907) · p. Seite 215

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Journal
Palästina
Volume
4 (1907)
Issue
Heft 6-8 (Juni 1907)
Article
Das türkische Heer [Nachricht]
Date
1907-06-01
Page
Seite 215 (sequence 4)
Language
German
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— 215 — Bedenklicher als diese Zeichen eines schlechten Geistes, die immerhin erklärbare Ursachen haben, ist es aber, daß auch gegen angeblich zu strenge Vorgesetze mehrfach Gehorsamsverweigerungen vorkamen. Alle diese Dinge sind auf das Schuldkonto des bestehenden Systems zu setzen: die zum äußersten getriebene Zentralisierung, die den niederen Befehlshabern jede Spur von Selbständigkeit nimmt und alles von der Entscheidung in Konstantinopel abhängig macht, die damit zusammenhängende Langsamkeit und Schwerfälligkeit des Geschäftsganges und das riesige Spitzelwesen, das alles demoralisiert und jede Tätigkeit hemmt. Dazu kommt dann andererseits wieder eine große schuldbewußte Schwächlichkeit der Heeresverwaltung solchen Meutereien gegenüber; in keinem Falle sind die Schuldigen bestraft worden, sie haben vielmehr jedesmal erreicht, was sie erreichen wollten. Diesen die Moral des Heeres schädigenden Erscheinungen gesellt sich nun der weitere bedenkliche Umstand, daß die Organisation — die ebenfalls schwerfällig ist wie die Verwaltung — keine weiteren Fortschritte macht. Die sehr zahlreichen Bataillone haben so schwache Stärken, daß darunter die Ausbildung sehr leiden würde, wenn nicht die häufigen Einziehungen von Reservisten und Landwehrleuten, die wegen der steten Unruhen der christlichen Bevölkerung erforderlich werden, einige Abhilfe brächten. Die damit zusammenhängende Tätigkeit der Truppe ersetzt auch in etwas das Fehlen aller Manöverübungen in größeren Verbänden, die wohl wiederholt geplant, aber wegen Geldmangels nie ausgeführt wurden. Türkische Kohle. Die Kohlenfelder bei Heraclea in Anatolien, haben im letzten Jahre über 700 000 t gefördert. Die Kohle ist bituminös, enthält wenig Schwefel, vergast sich leicht und gibt einen vorzuglichen harten Koks bei einer Gasausbeute von 283 cbm für 1 t. Ein anderes Kohlenfeld bei Kesham am Golf von Saros liefert eine Kohle mit 56,So Proz. flüchtigen Bestandteilen, 0,39 Proz. Schwefel, einer Gasausbeute von 345 cbm für 1 t und hoher Leuchtkraft des Gases. (Journ. Gaslight, 1907, Bd. 59, S. 453). Archäologisches, Geographisches. Ausgrabungsarbeiten in Palästina, Der Professor an der evangelisch-theologischen Fakultät in Wien Dr. E, Sellin hat der Wiener Akademie der Wissenschaften einen vorläufigen Bericht überreicht über seine Forschungsgrabungen in Palästina, die er im April dieses Jahres begonnen hatte und die zur Auffindung des alten Kanaanitischen Jericho führten, ein Ergebnis, das in allen gelehrten Kreisen das größte Interesse hervor' rief. Das Terrain, das in Angriff genommen wurde, liegt an der El isaquelle. Hier wurden die Grabungen mit etwa hundert Arbeitern an fünf verschiedenen Stellen unternommen. An der nördlichen Stelle kam sogleich die Ruine einer Burg zum Vorschein, wie sie noch nie besser erhalten in Palästina ausgegraben wurde. Die Burg besteht aus einem sechs Meter hohen Turm und drei Stockwerken. Eine steinerne Treppe führt zu den einzelnen Stockwerken. In drei Zimmern standen noch die Backöfen, die also hier Jahrtausende überdauert haben. Die Seitenwänüe der Burg und der Zimmer waren von Rauch geschwärzt und die vorhandenen Schwefelstücke legten Zeugnis ab, daß die Festung einst durch Feuer zerstört wurde. Unter den Funden sind Gerätstücke, in die mit wunderbarer Feinheit in Relief Tiergestalten, Gazellen und sie verfolgende Löwen, hineingearbeitet sind. An anderer

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