Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 6-8 (Juni 1907)
- Article
- Hilfsverein der deutschen Juden
- Date
- 1907-06-01
- Page
- Seite 193 (sequence 5)
- Language
- German
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— 193 — wissenschaftlichen Disziplinen Unterrichtssprache. Gleichzeitig sollen die Schüler volle Sicherheit im mündlichen und schriftlichen Gebrauch der deutschen Sprache und Kenntnis der wichtigsten Erscheinungen der deutschen Literatur sich aneignen. Beim Arabischen und speziell beim fremdsprachlichen Unterricht (englisch und französisch) wird hauptsächlich eine Gewandtheit im praktischen, schriftlichen und mündlichen Gebrauch erstrebt. Für die wissenschaftlichen Disziplinen ist das Pensum der höheren Schulen in Deutschland massgebend, unter besonderer Berücksichtigung der Bedürfnisse der Handelsrealschule. Das Lehrerseminar entliess Ende April die ersten Absolventen welche die Präparandenklasse und drei Seminarklassen in dreijährigem Kursus durchgemacht haben. Die Begründung der Handelsrealschule im Frühjahr bietet die Möglichkeit, eine neue Vermittelungsklasse zwischen Lämelschule und Lehrerseminar zu gewinnen. Diese Vermittelungsklasse — die unterste Klasse der Handelsrealschule — wird die eigentliche Präparandenklasse des Seminars. Die Lehrer-Bildungs-Anstalt zählt in der Präparandenklasse und in den drei aufsteigenden Seminarklassen 38 Zöglinge (23 aus Palästina). Die Unterrichtssprache am Seminar ist vorwiegend Hebräisch. Nicht allein die spezifisch jüdischen Lehrgegenstände wie Talmud, Bibel und Exegese, hebräische Sprache und Literatur und jüdische Geschichte werden in hebräischer Sprache vorgetragen, sondern auch Mathematik und Weltgeschichte und abwechselnd auch Pädagogik, Geographie und Physik. Ebenso werden die Musterlektionen und Lehrproben abwechselnd in hebräischer und deutscher Sprache abgehalten. Dieses schliesst jedoch nicht aus, dass auch für eine Vertiefung des deutschen Sprachunterrichts Sorge getragen wird. Auch dem landwirtschaftlichen Unterricht muss ein angemessener Raum im Lehrplan angewiesen werden. Es ist zweifellos, dass eine der Ursachen des Misserfolges in manchen jüdischen Kolonien Palästinas dem Mangel an Sachkenntnis inbezug auf Fragen der Kolonisation zuzuschreiben ist. Leider ist bis jetzt auch wenig geschehen, um die junge Generation zur landwirtschaftlichen Arbeit zu erziehen und ihre Liebe und ihr Interesse für ihren zukünftigen Lebensberuf zu wecken. Die Unterbringung von Kolonistenkindern in Ackerbauschulen hat den gewünschten Zweck nicht erreicht. Die Kolonistenkinder wurden dadurch vielmehr dem Elternhause und der Kolonie entfremdet, und die absolvierten Ackerbauschüler kehrten selten in ihre Kolonie zurück. Man ist zu der Oberzeugung gelangt, dass, soll man Kolonisten erziehen, der landwirtschaftliche Unterricht sowohl praktisch als auch theoretisch in jeder Dorfbezw. Kolonieschule erteilt werden müsste. Um dieses möglich zu machen, muss aber vor allem der zukünftige Lehrer in Palästina selbst mit dem nötigen Mass von Wissen in den verschiedenen Zweigen der Landwirtschaft ausgerüstet sein. Dieses Ziel soll durch einen intensiven landwirtschaftlichen Unterricht am Seminar des Hilfsvereins erreicht werden, für dessen Erteilung ein erfahrener Agronom gewonnen wurde, der seine fachmännische Ausbildung an den landwirtschaftlichen Hochschulen in Deutschland und Frankreich erhalten und bereits eine Reihe von Jahren in Palästina gearbeitet hat. Für die landwirtschaftlichen Kurse hat der Hilfsverein 3000 Frcs. ausgesetzt.