Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 6-8 (Juni 1907)
- Article
- Hilfsverein der deutschen Juden
- Date
- 1907-06-01
- Page
- Seite 190 (sequence 2)
- Language
- German
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— 190 — Bevölkerung Palästinas eine grosse Anziehungskraft aus, noch immer überwiegt unter den Kindern, die den Kindergarten besuchen, der Prozentsatz der Mädchen bedeutend, was eine Folge davon ist, dass die Knaben den Cheder besuchen. Es ist jedoch zweifellos, besonders wenn man die sanitären Verhältnisse des Orients in Betracht zieht, dass Kindergarten und Schule sich behaupten werden, zum Heil für die Jugend, die beiden Instituten schon im zarten Alter von 3 Jahren zugeführt wird. Neben dem Deutschen kommt in den Unterrichtsanstalten des Hilfsvereins das Hebräische als Unterrichtssprache in den Kindergärten und selbst zum Teil in der Schule, und zwar nicht nur in den hebräischen und religösen Disziplinen, sondern auch in den profanen Lehrgegenständen, zu seinem vollen Recht. Da ein Teil der Zöglinge eine gewisse Vorkenntnis des Hebräischen mitbringt, so bietet sich das Hebräische auf die natürlichste Weise als Umgangssprache für eine Kinderschar, die sich zusammensetzt, aus: Aschkenasim, (Haussprache deutscher Jargon), Sephardim, (spanischer Jargon), Ankömmlingen aus Buchara (bucharisch), Jemeniten (Arabisch), Marokkanern (arabischer Dialekt),. Persern (Persisch), Grusinen (kaukasischer Dialekt des Russischen). Auf diese Weise konnte die grosse Schwierigkeit gelöst werden, so verschiedenartige Elemente gemeinsam zu unterrichten. „Und dieser praktische Vorteil hat zugleich für den Orient einen hohen sittlichen Wert." Auch die Unterrichtssprache in dem Seminar ist zum Teil hebräisch. Die gründlichste Ausbildung im Hebräischen ist von vornherein in dem Gründungsstatut des Lehrerseminars vorgesehen worden: „Die Zöglinge des Lehrerseminars des Hilfsvereins der Deutschen Juden sollen einerseits die gleiche Ausbildung wie die Volksschullehrer in Deutschland nach Massgabe und dem Lehrplan der allgemeinen Bestimmungen für Lehrerseminare in Preussen erhalten, andererseits aber auch befähigt werden, sämtliche Disziplinen der Volksschule in hebräischer Sprache zu unterrichten und die Kenntnis der Landessprache zu vermitteln." Kinder mittelloser russischer Emigranten der letzten 2 Jahre besuchen in bedeutender Zahl diese Anstalten in Jerusalem — von den Kindergärten bis hinauf zum Lehrerseminar. Bei der Aufnahme der Emigrantenkinder wird auf die Verhältnisse der Eltern die weitgehendste Rücksicht genommen; sie erfolgt zum grossen Teil unentgeltlich. Die Unterrichtsanstalten des Hilfsvereins in Jerusalem bilden nach Eröffnung der Handelsrealschuie, die im April 1907 erfolgen wird, im Verein mit der Lämelschule einen geschlossenen Bau, der den Bedürfnissen weiter Kreise der Bevölkerung in Bezug auf die Ausbildung der Knaben wie der Mädchen entspricht. Die Kindergärten sind der Unterbau für die Mädchen- und Knabenschule; der bisher aus 6 Klassen bestehenden Lämelschule wird eine unterste 7. Klasse als Übergangsklasse zwischen Kindergärten und Schule angegliedert. Die Lämelschule, die von Frankfurt a. M. aus geleitet wird und mit dem Kuratorium des Hilfsvereins durch Personalunion verknüpft ist, führt dann hinauf zu der Handelsrealschule. Die unterste Klasse der Handelsrealschule dient zugleich als Vermittlungs-Klasse zwischen Lämelschule und dem Lehrerseminar, das den Abschluss bildet. Für die 3 Kindergärten mit 300 Zöglingen — der dritte ist im Herbst