Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 6-8 (Juni 1907)
- Article
- Rischon lŹion [Nachricht]
- Date
- 1907-06-01
- Page
- Seite 181 (sequence 1)
- Language
- German
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— 181 — MITTEILUNGEN UND MISZELLEN. Rischon I'Zion. Am 25. Juli dieses Jahres feierte die Kolonie Rischon Lezion die fünfundzwanzigste Wiederkehr ihres Grundungstages. Am 15. Ab unseres Jahres 5642 (1S82) wurden die Verkaufspapiere unterzeichnet, auf Grund deren ein Stück Boden von ca. 300 Hektar Fläche an eine Gruppe von Juden überging, die von Rußland nach Palästina übergesiedelt waren. Zehn Mitglieder zählte die Gruppe damals. Drei von ihnen leben heute noch als Kolonisten in Rischon, und einer von diesen, Freimann, läßt soeben in Jerusalem eine hebräische Festschrift von ca. 15 Bogen drucken, die eine Art Chronik der Kolonie darstellt und einen tiefen Einblick in die Entstehung, Entwicklung und mannigfachen Ereignisse gewährt, aus denen Rischon als eine der interessantesten jüdischen Ansiedelungen hervorgegangen ist. Gegen Ende des Jahres 1882 zählte Rischon etwa 20 Familien mit ca. 100 Seelen; nämlich die vorerwähnten 16 Kolonisten, einen Schlächter, einen Tischler, einen Klempner und einen Mann, der einen kleinen Laden hielt. Jetzt zählt man an 200 Familien mit über S00 Seelen, und auch das Areal ist viel größer geworden: die Kolonie umfaßt jetzt über 1150 Hektar. Unter der Bevölkerung sind außer dem Kolonistenelement (85 Familien) jetzt schon alle nur erdenklichen Handwerke vertreten, außerdem gibt es 5 Läden, 2 Hotels, eine Sodawasserfabrik und — einen Antiquitätenhändler. Auch die Bearbeitung des Landes ist vielseitiger geworden. Während früher der Weinbau fast die einzige nennenswerte Kultur darstellte, gibt es jetzt nicht nur viel mehr Mandelgärten als früher, sondern auch Olivenpflanzungen, Ethrogim-Gärten, Orangerien, Geraniumanlagen, und Eukalyptus-Pflanzungen. Außerdem wird ein immer wachsendes Areal für Gemüsebau, und — seit dem Zukauf geeigneten Landes — auch für Getreidebau verwendet. Heute ist Rischon eine recht stattliche Kolonie. Die Häuser machen einen ziemlich städtischen Eindruck, die Hauptstraßen sind breit und sauber gehalten1). Der Wert der Häuser, mit Ausnahme der Kellereigebäude, beträgt fast eine Million Franks, und auch die Arbeit, die in die Bodenbewirtschaftung gesteckt worden ist, ging nicht verloren, sondern findet sich in dem gesteigerten Wert des Kolonienbesitzes wieder. Auch das innere Leben der Kolonie läßt jedenfalls an Vielgestaltigkeit der Interessen nicht viel zu wünschen übrig. Über 30 Komitees verwalten die verschiedenen Angelegenheiten. Die Beziehungen zur Außenwelt sind zahlreich und mannigfach. Zwei Postämter (ein deutsches und ein österreichisches — Filialen der Jaffaer Posranstalten) haben ganz gut zu tun. Es werden in Rischon mehr als 10 Sprachen gesprochen, und von 48 verschiedenen Zeitungen (in 7 Sprachen» wurden 1905 die hübsche Anzahl von 135 Exemplaren gehalten2). In aufgeregten Zeiten abonniert die Kolonie sogar auf die „Reuterschen Telegramme"', die von Ägypten per Post kommend in der Kolonie affichiert werden. Die letzten Jahre haben große Umwälzungen in Rischon hervorgebracht, darunter solche, deren Ende noch nicht abzusehen ist. Speziell bezieht sich dies 1) Es gibt eine Rothschild-Strasse und weitere auf die Namen Erlanger, Pinsker, Mohilewer, Her/', Levontin, Freimann sowie eine Jerusalemer Strasse. 2) Von nichtjüdischen deutschen Zeitungen figurierten dabei die „Neue freie Presse" die .,Berliner Abend-Zeitung" (6 Exemplare!) die „Woche", die „New Yorker Zeitung", ein Apotheker- und evi zahnärztliches Fachblatt.