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Palästina · 1907-06-01 · Heft 6-8 (Juni 1907) · p. Seite 179

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Journal
Palästina
Volume
4 (1907)
Issue
Heft 6-8 (Juni 1907)
Article
Agudath Hakormim
Date
1907-06-01
Page
Seite 179 (sequence 1)
Language
German
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— 179 — AGUDATH HAKORMIM. Es wird häufig darüber geklagt, dass es der jüdischen Bevölkerung in Palästin aan Initiative zur Selbsthülfe fehlt; denn vieljährige Bevormundung durch die Administration hätten die ländlichen Kolonisten, die jährlich sich erneuernden Chalukkagelder, den Bewohner der Stadt derart korrumpiert, dass ihnen der Gedanke, sich selbst zu helfen, allmählich ganz fremd geworden sei. Glücklicherweise tritt* jetzt doch eine Reihe von Erscheinungen zu Tage, die darauf hindeuten, dass diese Periode ■des Suchens einer Stütze von aussen ihrem Ende entgegen geht. Einerseits fliessen die „Schnorrgelder" nicht mehr so reichlich und die an Stelle Rothschilds seit einigen Jahren getretene Palästina-Kommission der Jewish Colonization Association ist bedeutend schwerhöriger gegen Bitten und unempfindlicher gegen Bettel- und Drohbriefe als der Baron selbst, andererseits beginnt sich in Palästina unter dem Einfluss zionistischer Ideen, namentlich unter der Jugend doch ein gewisses Ehrgefühl zu entwickeln, welches die Schimpflichkeit des bisherigen Zustandes stärker empfindet, als die ältere Generation. Der Einfluss, den der von modernen Ideen geleitete „Bezalel" in Jerusalem erhielt, ist ein Beweis hierfür, dergleichen eine Reihe Institutionen und Kassen in der Kolonie. Eine der erfreulichsten Erscheinungen dieser Art ist die Agudath Hakormim, eine vor 3 Jahren in der Kolonie Rechoboth begründete Winzer-Genossenschaft. Während früher die gesamte Weinernte dieser Kolonie an den grossen Keller der Rothschildschen Administration in Rischon le Zion abgeliefert wurde, versuchten vor einigen Jahren mehrere der energischsten Kolonisten, sich langsam auf eigene Füsse zu stellen, indem sie sich einen kleinen eigenen Keller erbauten. Das Grundkapital der Gesellschaft wurde durch Ausgabe von Anteilen ä 600 Frcs. zusammengebracht, betrug also ursprünglich 1800 Frcs. Zur Anlage des Kellers selbst wurde dazu noch eine in 10 Jahresraten rückzahlbare Anleihe von 20 000 Frcs. bei der Anglo-Palestina Co. aufgenommen. Jedes Jahr wurde der Keller vergrössert und die Menge des dort verarbeiteten Weines vermehrt, so dass die Gesellschaft hoffen durfte, innerhalb 6 Jahren die Trauben sämtlich selbst zu verarbeiten.

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