Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1907)
- Article
- Deutschland in Ägypten
- Date
- 1907-05-01
- Page
- Seite 137 (sequence 3)
- Language
- German
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— 137 — Jetzt sind überall neue große Logierhäuser entstanden, die fast ausnahmslos von Deutschen oder Schweizern bewirtschaftet werden, und die besten Nildampfer, wie der „Puritan", die ,,Viktoria", die „Nubia" uud die prachtvolle „Germania" gehören jetzt der Hamburg und Anglo-American Nile Co. und fuhren die deutsche Flagge. Die Hamburg and Anglo-American Nile Co. ist aus einer Vereinigung der bereits seit Jahren eingeführten Anglo-American Nile Staemer and Hotel Co. mit der Hamburg—Amerika-Linie entstanden, und der deutsche Einfluß, der damit in den oberägyptischen Reiseverkehr gekommen ist, macht sich schon jetzt in angenehmster Weise fühlbar, obwohl die neue Gesellschaft erst in diesem Winter in Tätigkeit getreten ist. Während sich bisher alles im Lande nach den Engländern richtete, fängt man jetzt mehr und mehr an, sich auch den Bedürfnissen und Wünschen des deutschen Reisepublikums anzupassen. Die Eingeborenen bemühen sich, Deutsch zu lernen, auf den Dächern der großen Hotels sieht man überall neben der englischen auch die deutsche Flagge wehen. Der Dampferverkehr nach Alexandrien, der noch vor 10 Jahren fast ausschließlich durch den Österreichischen Lloyd besorgt wurde, ist seitdem mehr und mehr in deutsche Hände übergegangen. Unsere beiden größten Schiffahrtsgesellschaften unterhalten während der Reisezeit mit ihren tüchtigsten Schiffen einen regelmäßigen Verkehr nach der ägyptischen Handelsmetropole, und mit Beginn dieses Jahres hat die Hamburg—Amerika-Linie eine Expreßverbindung nach Ägypten geschaffen, die an Schnelligkeit und Bequemlichkeit alle bisherigen übertrifft und aus der früher so schwierig erscheinenden Reise fast e*ne Spazierfahrt macht. Am Montag Abend setzt man sich auf dem Anhalter Bahnhof zu Berlin in den Ägypten^ Expreß, der über München—Verona—Florenz und Rom nach Neapel fährt, wo die „Oceana" zur Überfahrt nach Alexandrien bereitliegt, und am Sonnabend Morgen schon landet man in Ägypten, ohne irgend eine Gepäckrevision, ohne jede Unbequemlichkeit oder Schererei. Handel Smyrnas. Als im Jahre 1896 die Eisenbahnstrecke EskischeTr—Konia dem Verkehr über geben wurde und die anatolische Eisenbahn hiermit Kleinasien von Norden nach Süden mitten durchquerte, wurde auch von berufener Seite angenommen, daß damit dem Handel Smyrnas die Lebensader durchschnitten war. Und gewiß traf die anatolische Bahn — etwa zwischen Kulahia und Konia — auf ein Gebiet, das der Handel von Smyrna schon stärker in seinen Bereich gezogen hatte. Der Endpunkt der (englischen) Smyrna-Aidinbahn, die von Smyrna ostwärts ins innere Anatolien führt, ist und war damals der Ort Diner, der, etwa 80 km von der anatolischen Bahn entfernt, auch heute noch durch Kamel- und Eseltransporte aus dem Bereich jener Bahn Ausfuhrgüter an sich zieht oder Einfuhrgüter dorthin verteilt. Die (französische) Smyrna-Kassababahn, die nördliche Parallel- und Kon- Kurrenzlinie der englischen, wurde im Jahre 1897 sogar bis unmittelbar an die anatolische herangeführt. Ihr Endpunkt Afiun-Karahissar ist zugleich Station der anatolischen Bahn. Das Dreieck Konia—Diner—Afiun-Karahissar hat denn auch seine besondere Tarifpolitik. Wer z. B. zurzeit 15 t Weizen von Konia mit der anatolischen Bahn nach Afiun-Karahissar sendet, sie dort umladet und dann mit der Kassababahn nach Smyrna gehen läßt, zahlt für diese Entfernungen nur 273-j-420 km: 13-f-t4=27 Ltq. Wer jedoch die Sendung über Afiun-Karahissar hinaus mit der anatolischen Bahn