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Palästina · 1907-05-01 · Heft 5 (Mai 1907) · p. Seite 136

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Journal
Palästina
Volume
4 (1907)
Issue
Heft 5 (Mai 1907)
Article
Deutschland in Ägypten
Date
1907-05-01
Page
Seite 136 (sequence 2)
Language
German
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— 136 — Weise beinflussen, als das stetige Aufblühen der für uns sehr wichtigen Hotel- Industrie. Wenn auch die hauptsächlichsten ägyptischen Hotelgesellschaften, wie die mächtige Nungovich Hotel Co. und The Egyptian Hotels Limited, zum großen Teil mit ägyptischem und englischem Gelde arbeiten, so leiten doch deutsche Wirte die meisten großen Hotels, von deren Ausdehnung und Umsatz man sicheinen Begriff machen kann, wenn n\an bedenkt, daß z. B. das von einem Dresdener, Herrn Braun, trefflich bewirtschaftete Grand Continental-Hotel in Kairo, von dessen berühmter Terrasse aus man das bunte Leben der ägyptischen Hauptstadt in so unvergleichlicher Weise beobachten kann, bei einer Gästezahl von durchschnittlich nahezu 350 und einem Personal von 230 Köpfen einen täglichen Unkostenetat von etwa 7000 Mark hat Es liegt auf der Hand, daß deutsche Wirte diesen großen Bedarf nach Möglichkeit aus ihrem Vaterlande decken werden, und die deutsche Industrie sollte es sich angelegen sein lassen, diese Möglichkeit mehr und mehr zu vergrößern. Daß manche Artikel noch immer aus anderen Ländern bezogen werden, die Tischwäsche z. B. aus der Schweiz, das Glas aus Österreich, das Tafelsilber aus Frankreich, hat seinen Grund nur darin, daß wir auf diesem Gebiete nicht konkurrenzfähig sind. Wir sollten uns aber Mühe geben, es zu werden; denn Ägypten ist unstreitig ein Land der Zukunft, und wie Kairo in den letzten Jahren aufgeblüht ist, wird nach und nach das Kaufbedürfnis der Landbevölkerung sich steigern und unserer Industrie unübersehbare Absatzgebiete erschließen. Wie sehr Kairo sich neuerdings entwickelt hat, beweist die geradezu phantastische Steigerung der Grundstückspreise, für die der kürzlich erfolgte Verkauf des deutschen Kirchengrundstücks bezeichnend ist. Das 3400 Geviertmeter große Grundstück, das der Großvater des jetzigen Khedive bei Gelegenheit der Suezkanal- Eröffnung dem damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm geschenkt hatte, lag damals in einer ziemlich öden Gegend und war so gut wie wertlos. Nun hat der jetzige Khedive es für einen Preis zurückgekauft, der den Grundstückswerten in der Friedrich-Straße nicht nachsteht. Er bezahlte etwa 1200 Mark für den Geviertmeter, so daß die deutsche Gemeinde fast 4 Millionen für das Grundstück erzielt und so in die Lage gesetzt worden ist, sich nicht nur in einer anderen Gegend einen mehr als doppelt so großen Besitz zu kaufen, sondern noch über 2 Millionen Mark zu erübrigen, die für Gründung sehr notwendiger Wohlfahrts-Einrichtungen Verwendung finden können. Sehr wichtig für unsere künftigen I.nteressen in Ägypten ist, daß neuerdings die ägyptischen Baumwollpflanzer ihr Augenmerk mehr und mehr auf Deutsch- Ostafrika lenken, wo weite Gebiete eine Baumwolle zu erzeugen imstande sind, die der auf dem Weltmarkt an erster Stelle stehenden ägyptischen an Güte nichts nachgibt. Schon jetzt haben mehrere große ägyptische Baumwollen - Firmen in. unserer Kolonie Zweigpflanzungen angelegt, und da man von dem Ausbau der im übrigen für die Landwirtschaft in den Nilgebieten so segensreichen großen Staubecken in Assuan und Esneh eine dem Baumwollenbau ungünstige Veränderung des Klimas befürchtet, läßt sich annehmen, daß wir auch nach dieser Richtung hin. manches von Ägypten zu erwarten haben werden. Von ganz besonders günstigem Einfluß auf die Stärkung unserer wirtschaftlichen Stellung am Nil ist in allerletzter Zeit das Eingreifen der Hamburg— Amerika-Linie gewesen, der es gelungen ist, in das alte englische Monopol auf dem. Gebiete des sehr starken Touristenverkehrs Bresche zu legen. Früher war man gezwungen, mit Cook zu reisen, wenn man Oberägypten besuchen wollte, denn sämtliche Nildampfer gehörten ihm und ebenso alle Hoteis in Luxor und Assuan.

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