Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1907)
- Article
- Die Gesellschaft Agudath Netaim
- Date
- 1907-05-01
- Page
- Seite 116 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2379786-2379797-2379801-2381353--01004-2381388- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 116 — viel abgezogen, dass er die Installierungssumme von 2500 Franken in zehn Jahren von seinem Lohne bezahlt hat. Er empfängt also keine Wohltat und kein Geschenk. Die Gesellschaft erhält ihr Geld zurück. Während aber die Gesellschaft die Verpflichtung eingeht, dass sie stets dem Arbeiter Arbeit gibt, kann dieser, wenn er will, auch bei anderen Besitzern arbeiten und dann den Betrag selbst zahlen. Hier ist ein Weg zur Lösung der Arbeiterfrage gegeben, der gangbar ist und zum Ziele führt. Die Gesellschaft Agudath-Netaim besitzt schon zwei Ländereien und hat schon jetzt für 20 bis 30 Arbeiter Beschäftigung, die das ganze Jahr über arbeiten können, teils in Rechöbhöth teils bei Cäsarea. Hier ist also die beste Aussicht vorhanden, dass in das jahrelange Stocken der Kolonisationstätigkeit wieder frisches Leben hineinkommt. Es wäre aber ein grosser Fehler, wollte man die gegenwärtig in Palästina zu leistende Arbeit ausschliesslich auf solche Arbeiten beschränken, die auf kolonisatorischem Gebiete liegen. Wir haben schon oft betont, dass die Kolonisation noch mehr eine innere Kolonisation mit einheimischen türkischen und palästinischen Juden werden muss, um die sozial wertlose Stadtbevölkerung in eine wertvolle soziale Schicht zu verwandeln, und dass man der Kulturarbeit unter den einheimischen Juden das grösste Augenmerk zuwenden müsse. Da kommt die Gründung des Bezalel und seine materielle Sicherstellung in allererster Linie inbetracht. Die einzige Bildungssprache, neben der Landes- und Staatssprache von wichtigstem Interesse kann nur das Hebräische sein, das sich ja ohne jede Propaganda unter dem Drange der Notwendigkeit extensiv und intensiv ausbreitet und sich kulturell selbst erhöht. Es erfordert eine besondere Arbeit, die verschiedenen Institutionen zu behandeln, die teils für diese Kulturarbeit bestehen, teils gegründet werden müssen. Aber das eine wollen und müssen wir erwähnen, dass ohne eine grosse Bibliothek keine Kulturarbeit in grossem Stile fruchtbringend erwachsen kann. Die Gründung einer Nationalbibliothek ist mindestens so wichtig, wie die aller Schul- und Bildungsinstitutionen, die doch nur ihr Ziel erreichen können, wenn sie sich an eine grosse jüdische Bildungsbibliothek anlehnen können. Heinrich Loew e.*) *) Der obige Artikel ist aus einer umfassenden Arbeit Dr Loewes über „Gegenwartsarbeit in Palästina" herausgenommen und von der Redakt. in Einzelheiten geändert worden.