Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1907)
- Article
- Die ägyptischen Beduinen [Nachricht]
- Date
- 1907-03-01
- Page
- Seite 106 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2379786-2379797-2379800-2381232--00975-2381322- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 106 — Mitte 1897 betrug die Gesamtzahl der ägyptischen Beduinen (mit Ausschluß; derer von der Sinaihalbinsel, die so gut wie unabhängig sind), 604500 Köpfe, also fast fünf Prozent der Gesamtbevölkerung. Von dieser Anzahl führen 70 500 eine, rein nomadische Lebensweise; in nur von ihnen bewohnten Niederlassungen waren 290100 seßhaft und 240900 lebten mit den Eingeborenen gemischt angesiedelt. Die Nomaden in Ägypten müssen früher oder später zugrundegehen. Tatsächlich läßt sich bereits jetzt ein bedeutender Rückschritt zahlenmäßig feststellen. So gab es. 1882 noch 98 200 unter Zelten lebende Beduinen, im jähre 1897 war ihre Zahl bereits auf 70 500 herabgesunken. Darnach dürfte-es um die Mitte dieses Jahrhunderts kaum noch ägyptische Nomaden geben, sondern dann werden auch die letzten entweder zu seßhafter Lebensweise übergegangen oder ausgewandert oder — verhungert sein. Übrigens ist die Ursache dieses Rückganges nicht etwa in einer klimatischen Veränderung, einem Trockenwerden der Wüste zu suchen. Für eine derartige Annahme liegt nicht der geringste Anhaltspunkt vor. Vielmehr wirken hier — wie in einer Korrespondenz der Zeitschrift „Der Deutsche" vom 19. Januar d. J. ausgeführt wird — ausschließlich politische und wirtschaftliche Verhältnisse mit. Bis Anfang des vorigen Jahrhunderts bildeten die Beduinen eine Macht, mit der die: Regierung zu rechnen hatte. Sie plünderten regelmäßig die ländlichen Grenzgegenden, wofern ihnen nicht ein Tribut entrichtet wurde, oft genug aber auch trotzdem. Diesem Zustand hat Mohammed Aly Pascha ein Ende gemacht. Er brach zunächst in einer Reihe von Kämpfen die Macht der Beduinen und schuf dann dauernde. Abwehr, indem er die stärksten Stämme durch Gewährung großer Vorteile seßhaft machte. Er wies ihnen unentgeltlich Ländereienjm Grenzgebiete an, zahlte den Schechen ansehnliche Monatsgehälter und befreite alle beduinischen Ansiedler von. den drückendsten Lasten der Landbevölkerung: so der Verpflichtung zum Kriegsdienste und zur Fronarbeit. So wurde eine große Anzahl seßhaft und diente als zuverlässige Grenzwehr gegen ihre nomadisch gebliebenen Brüder. Übrigens sind, diese Vorrechte noch heute in Kraft. Der Verlust des früher den Fellahen abgenommenen Tributs ist also einer der Gründe der Verarmung, die den Nomaden das Wüstenleben unmöglich zu machen droht. Dazu kommen noch andere, und zwar wirtschaftlicher Art. Ägypten verbraucht durchschnittlich jährlich 10 000 Kamele, da das Klima des Landes für dieses Wüstentier ungeeignet ist. Fast "der ganze Bedarf wird aus der nordsyrisehen Wüste und aus Arabien gedeckt. Früher besorgten nun die Stämme des östlichen Niltales,, die fiowetät, die Maäzah u. a. den Zwischenhandel, denn die Wüstenstraßen waren, so unsicher, daß die arabischen Kamelhändler, die sogenannten Oqel, sich selten nach Ägypten wagten. Bei der heute herrschenden allgemeinen Sicherheit haben, sie sich jedoch gewöhnt, diesen gewinnreichen Handel selbst zu betreiben. Daher entgeht nunmehr den ägyptischen Beduinen nicht nur der Verdienst am Zwischenhandel, sondern infolge der stark vermehrten Einfuhr sind auch die Kamelpreise so sehr gesunken, daß die von hiesigen Beduinen gezüchteten Tiere, die nebenbei kleiner und schwächer sind als die arabischen, kaum noch mit Vorteil verkauft werden können. Ein weiterer, schwerer Verlust ist ihnen schließlich dadurch entstanden, daß die Pilgerfahrt jetzt amtlich mit der Bahn nach Suez und von dort zur See nach Geddah geschieht, statt wie früher auf dem Landwege nach Mekka, wobei Tausende von Reduinen durch Vermieten ihrer Kamele einen ansehnlichen, alljährlich wiederkehrenden Gewinn fanden. Alle diese Ursachen haben zusammengewirkt, um das Bestehen des ägyptischen. Nomaden zu untergraben. Je schneller er sich seßhaft macht und Bauer wird, desto*