Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1907)
- Article
- Die Insel Cypern
- Date
- 1907-03-01
- Page
- Seite 68 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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— 68 — Künstliche Bewässerung, Da von März bis Oktober kein Regen geht und die meisten Flüsse trocken liegen, so muss man den Kulturen etc. mittelst unterirdischen Wassers zu Hilfe kommen. Grössere Brunnen-Anlagen haben auf der Insel schon vor undenklichen Zeiten existiert, und die Cyprioten sind berühmt für Auffindung und Ausnützung unterirdischen Wassers. Manchmal werden die Brunnen auf einem Hügel gegraben, und das Wasser wird durch eine Kanalisation so geleitet, dass es tiefer gelegene Ländereien bewässert. Aber oft handelt es sich auch um Brunnen, auf denen man eine mehr oder weniger primitive Sakkie (Schöpfrad) oder Windmühle installiert, um das Wasser zu heben. Das auf diese Weise geleitete oder gehobene Wasser wird in einem gemauerten Reservoir gehalten, um je nach Bedarf mittelst Röhren den Pflanzen zugeführt zu werden. Die unterirdische wasserführende Schicht findet sich in 13 bis 23 Meter Tiefe. Eine Windmühle nebst Brunnen und Reservoir kostet ungefähr £ 60—70 und genügt zur normalen Bewässerung von lVs acres Baumpflanzung. Die Sakkies kosten im gleichen Fall etwa £ 15—25 und bewässern nicht ganz die Hälfte des obigen Areals per Tag. Das unterirdische Wasser findet sich nicht überall in der gleichen Menge, und in manchen Fällen schwankt sein Niveau. Der Distrikt von Morphou und der von Limassol sind bezüglich unterirdischen Wassers am meisten begünstigt. Sie haben auch jeder einen vom Troodos kommenden perennierenden Fluss. Die Ländereien in Morphou sind auch teurer als die der anderen Teile der Insel. Man nimmt an, dass das unterirdische Wasser gewisser Quellen seinen Ursprung in der gegenüberliegenden Südküste Kleinasiens hat. Die Frage des für künstliche Bewässerung verfügbaren Wassers ist eine der wichtigsten Fragen für Cypern. Vor kurzem hat die cyprische Regierung die Bohrung eines artesischen Brunnens unternommen und man hält schon bei 700 Fuss Tiefe (über 200 Meter). Nach massgeblicher Meinung wird man bis 500 Meter hinabgehen müssen, um das sprudelnde Wasser zu finden. Wenn dieser Wunsch gelingen sollte, so kann man auf eine vollständige Umwälzung in den landwirtschaftlichen Verhältnissen der Insel rechnen.