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Palästina · 1903-01-01 · Heft 3-6 · p. Seite 229

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Journal
Palästina
Volume
2 (1903-1904)
Issue
Heft 3-6
Article
Die Viehzucht in Mesopotamien
Date
1903-01-01
Page
Seite 229 (sequence 1)
Language
German
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DIE VIEHZUCHT IN MESOPOTAMIEN. Die Viehzucht wird nicht nur von den Nomaden, sondern auch von der sesshaften Bevölkerung betrieben. Die zahlreichen und guten "Weiden, die sich besonders in Obermesopotamien und El Gesireh finden, sind alle unentgeltlich. Sie sind entweder dauernde oder nur zufällige, durch Regengüsse hervorgerufen. Die Schwierigkeit für die Herdenbesitzer besteht in der Ueberwinterung der Herden, welche sich manchmal recht umständlich und kostspielig gestaltet, besonders wenn der Züchter Gerste kaufen muss, um seine Tiere durchzubringen. Die zu entrichtenden Steuern betragen bei Büffeln und Kamelen 10 Piaster, bei Hammeln, Schafen und Ziegen 3 Piaster; Ochsen, Kühe, Pferde, Esel, Maultiere und Tragkamele für die Karawanen sind steuerfrei. An Schlachtgebühr müssen entrichtet werden bei Hammeln, Ziegen 5 Piaster, bei Büffeln, Kamelen 15 Piaster, bei Ochsen und Kühen 10 Piaster und bei Kälbern 772 Piaster. Den ersten Rang in der Viehzucht nimmt das Pferd ein, doch werden in Mesopotamien weniger edle Pferde gezogen, als vielmehr verhandelt. Die Mittelpunkte der Pferdezucht liegen ausserhalb Mesopotamiens in der arabischen und syrischen Wüste. Die Ausfuhr von Pferden ist untersagt, die Händler verstehen es aber, dieselben auf persisches Gebiet durchzuschmuggeln, von wo sie nach Indien verladen werden. Auch die Eselzucht ist bedeutend; schöne Exemplare erzielen bis 900 Franken. Die Maultiere kommen zumeist aus Westpersien. Den einzigen Reichtum der Nomaden bilden indes die Kamele, deren Zahl auf 55 000 angegeben wird: sie sind das unentbehrlichste Tier für die Zeltbewohner, ohne welches die Wüsten und Steppen für sie unbewohnbar wären. Auch Dromedare ziehen die Nomaden auf. Die Fellachen im besonderen widmen sich der Rindviehzucht. Die mesopotamische Rinderrasse ist nicht einheitlich und nähert sich je nach der Lage dem kleinasiatischen, persischen und indischen Rind, Der Fellach geniesst nicht nur Butter, Milch und Fleisch vom Rind, sondern benutzt es auch als Tragtier. Vieh zu haben ist der einzige Wunsch des F'ellachen, und derjenige, der einige Köpfe besitzt, gilt als ein Fürst in seinem Dorfe. In neuerer Zeit wird viel Vieh über Alexandrette nach Aegypten ausgeführt. Für die Sumpf bewohner, die Reisbauern, ist der Büffel das wichtigste Tier. Seine Zucht und Unterhaltung erfordert sehr viel Mühe. Im Winter muss er vor der Kälte und im Sommer vor den Stichen giftiger Insekten geschützt werden, was dadurch geschieht, dass man sie in Haufen zusammentreibt und Feuer um sie anzündet. Vor der Sommerhitze schützt sich der Büffel selbst, indem er sich bis zu den Nasenlöchern im Wasser vergräbt. Die herausragenden Hörner sollen oft genug die kleinen Flussfahrzeuge zum Kentern bringen. Der Büffel wird nicht wie in Anatolien zur Arbeit verwendet, sondern er nützt nur durch seine Milch und sein Fleisch. Die Schafe bilden den Reichtum jener Stämme, die an den trockenen Flussufern wohnen, auch die Kleinbauern und die Städter

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