Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 3-6
- Article
- Das jüdische Kolonisations-Programm
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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— 204 — dehnung und "gleichzeitige, immer stärkere Konzentration müssen die Kolonisationsvereine in kurzer Zeit zu einer Macht werden. Heute gilt es, aus der bisherigen scheuen Reserve sich herauszuwagen, an die grosse Oeffentlichkeit zu treten, die Begeisterung für die Idee der Wiederbesiedelung unserer einstigen Heimat durch eine Propaganda grossen Stils in die jüdischen Massen zu tragen. Versammlungen, Wanderredner, Flugblätter und eine rege Tätigkeit in der Presse müssen den alten Kolonisationsvereinen Scharen neuer Mitglieder zuführen. Das ganze, für eine wirksame Palästinapropaganda notwendige Material, Beschreibungen und Abbildungen der Kolonien, Kostenberechnungen, Anschläge, ambulante^ Ausstellungen palästinensischer Produkte, das alles muss in kürzester Zeit beschafft werden. Die neuen Vereine müssen von vornherein durch niedrige Mitgliedsbeiträge und Heranziehung von Vertretern der verschiedensten Richtungen im Judentum auf eine populäre Basis gestellt werden. Nicht mehr eine Elite jüdischer Philantropen soll den Grundstock der Kolonisationsvereine bilden, auf Hunderttausende muss die Zahl ihrer Anhänger anschwellen, das jüdische Volk in allen seinen Fraktionierungen muss an dem Werke der Palästinakolonisation teilnehmen. In der Tat bilden Kolonisationsvereine wie der „Esra" in Deutschland oder die Odessaer Chowewe Zion in Russland die neutrale' Basis, aut der sich alle jüdischen Elemente zu gemeinsamer, fruchtbringender Arbeit verbinden können und tatsächlich verbinden. Selbst jene jüdischen Philantropen, welche für ihren Teil die gegenwärtig bewohnten Länder keineswegs zu verlassen gedenken und sich der Landesbevölkerung anschliessen wollen, sehen ein, dass für die jüdischen Massen im Osten eine Emigrations- und Kolonisationsaktion unerlässlich ist, und werden heute die Palästinavereine in vermehrtem Masse unterstützen, weil Palästina sich als wirtschaftlich günstigstes Ansiedelungsgebiet erwiesen hat. Wohlhabende Juden, welche der r echt gläubigen Sphäre angehören, werden sehr wohl dafür zu gewinnen sein, aus religiösen Motiven sich im heiligen Lande anzukaufen, um den nationalen Besitz am Boden zu vergrössern und ihren ärmeren Brüdern Erwerbsgelegenheit. zu geben. Für die national empfindenden Juden, welche ein ausgesprochen politisches Ansiedelungswerk verpönen, für die Kolonisationszionisten also, bilden die Kolonisationsvereine das eigentlichste Arbeitsfeld. Und endlich bleibt auch den politischen Zionisten, welche konsequente Palästinafreunde bleiben, heute nichts anderes übrig, als die Förderung der zielbewussten Kolonisation durch Anschluss an die bestehenden oder Gründung neuer Kolonisations- und Bodenkaufs-Vereine. Was aber alle diese heterogenen Elemente auf dem Boden der