Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 3-6
- Article
- Das jüdische Kolonisations-Programm
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- 175 - ihre eigene Kraft, verlangte von ihnen persönliche Arbeit auf den Feldern und verweigerte weitere Zuschüsse. Die moralischen und wirtschaftlichen Wirkungen dieser Massnahmen waren vorzüglich. Fast überall begannen die Kolonisten die ihnen vorgeschossenen Summen regelmässig zurückzuzahlen. Da die Weinbestände des Hamburger Lagers vollständig verkauft wurden und gute Preise erzielten, so konnten auch die Preise, welche den Kolonisten von der Administration gezahlt werden, erhöht werden, ja es stellte sich zum erstenmal seit der Begründung der Kolonien die wirtschaftliche Notwendigkeit heraus, neue Weinpflanzungen anzulegen, um der Nachfrage zu genügen. Auch die Baumpflanzungen und die Versuche mit Hausindustrie, welche den Zweck hatten, den Bauern der Weinkolonien weitere Einnahmequellen zu verschaffen, hatten einen guten Erfolg. So dari man also heute mit vollem Rechte sagen, dass die schwere, langjährige Krise unserer Weinproduktion in Palästina vorüber ist. Einen noch grösseren Erfolg erreichte man, indem man bei Tiberias neue Kolonien gründete, welche sich nicht mehr mit Weinbau, sondern mit Getreidebau beschäftigen. Aus dem letzten Jahresbericht der J. C. A. erfahren wir, dass die Kolonisten von Yammah gleich im ersten Jahre einen Reinertrag von 1700 Frcs. pro Familie erzielten, demnach völlig selbständig wurden. Auch in Meshah war der Ertrag ein sehr befriedigender. Auf der ganzen Linie erscheint demnach das jüdische Ansiedelungswerk in Palästina heute als ein gesundes und wirklich aussichtsreiches. 3. Aber es könnten sich vielleicht im Lager der politischen Zionisten manche finden, die in die Berichte der J. CA. und des „Esra" Zweifel setzen. Für diese wollen wir also die Worte eines gewiss unverdächtigen Zeugen anführen, nämlich den Aufsatz, welchen Dr. Adolf Friedemann auf Grund seiner Palästinareise in der „Welt" veröffentlichte. „In Meshah wie in Yammah — berichtet Dr. Friedemann — waren die Bauern schon nach Ablauf eines Jahres völlig selbständig, verlangten keine Zuschüsse und waren zufriedener als die von Rischon und Sichron: Man hat eben richtig mit der menschlichen Natur, ihren Vorzügen und Schwächen gerechnet und weiss nun, wie man in Zukunft vorzugehen hat." „Noch ein zweiter, wohlgelungener Versuch verdient Beachtung. In Sedjerah hat die J. C. A. auf einem sehr grossen Terrain eine Musterfarm angelegt. Nur mit jüdischen Tagelöhnern hat man das Land gerodet, Getreide gesäet und geerntet. Schon im zweiten Jahre deckt Sedjerah alle Betriebskosten, im nächsten wird man nicht unerhebliche Ueberschüsse erzielen." Aehnlich hat man in Caba (Galiläa) völlig befriedigende-