Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 3-6
- Article
- Das jüdische Kolonisations-Programm
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 172 — gezwungen, den in ihren Augen minder wesentlichen, nämlich Zion, vorderhand hintanzusetzen; sie muss demnach, selbst wenn der ostafrikanische Plan sich zerschlagen sollte — was den meisten bereits als Tatsache gilt —, irgend ein exotisches Kolonisationsgebiet ausserhalb Palästinas ausfindig machen. 2. Zu diesem gänzlich neuen Programm hat nicht nur die zionistische Partei, sondern das ganze national empfindende Judentum, haben alle in Palästina tätigen jüdischen Faktoren in diesem Augenblick Stellung zu nehmen. Die grosse Frage ist, haben wir es mit einen Stillstand der ganzen Palästinabewegung überhaupt oder nur dem der diplomatischen Bestrebungen um Palästina zu tun? Muss tatsächlich das ganze jüdische Volk vorläufig seine Bemühungen um Palästina aufgeben, oder sieht sich nur die Leitung der zionistischen Partei subjektiv veranlasst, eine andere Politik einzuschlagen? Hat diese neue Wendung in der jüdischen Kolonialpolitik, welche, wenn sie auch keine praktischen Resultate erreicht, bloss dadurch, dass sie die Geister einem anderen Ziele zuwendet und die finanziellen Kräfte ablenkt, die Besiedelung Palästinas lähmen müsste — hat sie, frage ich, auch eine genügende objektive Begründung? Und ist der Plan der Schaffung eines autonomen jüdischen Gemeinwesens ausserhalb des palästinensischen Länderkreises, sei es als endgültige Lösung des jüdischen Problems, sei es als Etappe auf dem Wege zu einer Heimstätte in Palästina, tatsächlich aussichtsreicher als die unentwegte Fortsetzung des palästinensischen Ansiedelungswerkes trotz der gegenwärtigen politischen Schwierigkeiten, als eine zähe, erfindungsreiche, jeder Lage sich anpassende Palästinapolitik unter Vermeidung aller Umwege und aller Kräftezersplitterung? Dieser Fragenkomplex, welcher sich zu dem Dilemma zuspitzt: Palästina oder Irgendwo? —scheint auf den ersten Blick rein politischer Natur zu sein. Untersucht man ihn jedoch näher, so überzeugt man sich, dass es sich hier im Grunde genommen um ein kolonialtechnisches Problem handelt. Die Frage lautet: allmähliche Besiedelung unter stufenweiser Anstrebung immer höherer politischer Rechte — oder vorangehende Sicherung der höchsten politischen Rechte und nachfolgende, möglichst rasche Massenkolonisation? Eine wirklich kompetente und völlig befriedigende Antwort auf diese Frage und alle aus ihr fliessenden könnte nur eine mit entsprechenden Mitteln ausgestattete und völlig unabhängige Kolonisatiönskommission nach eingehenden Studien erteilen. Eine Körperschaft also, welche die Kolonisationstechnik überhaupt, nicht nur Palästina,