Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 3-6
- Article
- Der Baumwollbau in Ägypten
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2379786-2379793-2379796-2380876--00624-2380960- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 134 — Upland-Saat wächst in Gebirgsgegenden, jedoch in nicht zu grossen Erhebungen über dem Meeresspiegel. Liebt mittelschweren: bis leichten Boden, auch Kalkboden. Bereits mehr als einmal ist in Aegypten die Befürchtung geäussert worden, dass die ausgezeichnete Güte der ägyptischen Baumwolle vielleicht nicht mehr lange ein Monopol des Nillandes bleiben wird. Die hohe "Wertschätzung, welche diese Sorte im Welthandel geniesst, welche sogar alljährlich eine kleine Ausfuhr derselben von Aegypten nach Nordamerika veranlasst, gründet sich auf die sonst nicht wieder vorkommende hohe Yerspinnbarkeit der ägyptischen Baumwolle; lässt sich diese doch zu den feinsten Garnen verspinnen, deren Festigkeit eine relativ hohe ist. Auch hat sie sich neuerdings für das Mercerisieren als überaus geeignet erwiesen, und gerade aus diesem Grunde steigt in den letzten Jahren die Nachfrage fortdauernd. Die Voraussetzungen, unter denen die ägyptische Baumwolle ihre geschätzten Eigenschaften erhält, wurden bereits dargelegt: Weniger die menschliche Kunst, als die natürlichen Vegetationsfaktoren des Nillandes bilden die Grundlage. Es ist aber keineswegs unmöglich, dass unter ähnlichen Erzeugungsbedingungen eine Baumwolle von der Güte der ägyptischen in Zukunft anderswo erzeugt werden kann. Und dann ist ein Preisfall und eine wirtschaftliche Schädigung Aegyptens unausbleiblich. Ganz gewiss lässt sich durch die Einführung von Verbesserungen in den Kulturmethoden und vor allem durch eine zielbewusste Züchtung neuer wertvoller Varietäten auch bei fallenden Preisen des Erzeugnisses die Abnahme der Rentabilität einer Kultur bis zu einer gewissen Grenze ausgleichen, aber dieselben Massregeln können in den Wettbewerbsländern ebenfalls mit Erfolg angewandt werden. Schliesslich muss in einem solchen freien Wettstreit dasjenige Gebiet siegen, in welchem die Arbeitslöhne und die Bodenpreise am niedrigsten sind. Bei der heutigen Höhe seiner Bodenpreise ist aber Aegypten in seinem Baumwollbau einem etwa neu auftretenden Wettbewerber gegenüber ernstlich gefährdet. Anmerkung der Redaktion: Diese Ausführungen können für unseren Länderkreis ein ganz spezielles Interesse beanspruchen. Dieser ganze Länderkomplex — Palästina, Cypern, Nordsyrien mit seinem Hinteiiande und Teile von Kleinasien — gehören zu den hervorragendsten Vorzugsgebieten für die Baumwollkultur, die, wo sie unter günstigen Bedingungen betrieben werden kann, oft die hauptsächlichste Existenzgrundlage für ganze Bevölkerungen abgibt. Es könnten hier viele Hunderttausende von Menschen von der Kultur und Verarbeitung der Baumwolle leben.