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Palästina · 1903-01-01 · Heft 1-2 (1904.None.1903) · p. Seite 108

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Journal
Palästina
Volume
2 (1903-1904)
Issue
Heft 1-2 (1904.None.1903)
Article
Jüdische Emigration und Kolonisation [Nachricht]
Date
1903-01-01
Page
Seite 108 (sequence 1)
Language
German
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— 108 - KLEINERE NOTIZEN. Jüdische Emigration und Kolonisation. (Breslauer Zeitung, 2. Mai 1903.) Donnerstag Abend hielt im grossen Saale der Lessingloge der Schriftsteller Davis Trietsch aus Berlin einen Vortrag über das Thema: „Jüdische Emigration und Kolonisation" vor einem äusserst zahlreich erschienenen Publikum, das den Ausführungen des Redners mit grossem Interesse folgte. Die Lage der jüdischen Bevölkerung im Osten Europas sei, so führte Redner aus, unerträglich; mehr als hunderttausend Juden, meist dem dürftigsten Proletariat angehörig, müssten jährlich übers Meer gehen, und selbst die Aussicht, hierbei den grössten Schwierigkeiten zu begegnen, könne sie nicht von einem Veilassen der Heimat abhalten. Ihr Ziel sei insbesondere Nordamerika und England. Das könne so nicht weiter gehen, Regierung wie Volk dieser vStaaten sähen in der immerwährenden Einwanderung armer Juden eine Gefahr für das Land und hätten bereits gesetzgeberische Massregeln eingeleitet, um das Land gegen die Einwanderung von Paupers zu schützen. Es müsse also ein Ausweg geschaffen, es müssten neue Länder für die Auswanderer gesucht werden, und da wiesen, abgesehen von subjektiven Gründen, schon rein sachliche Gründe auf den Orient hin. Zunächst auf Palästina, das seit Beginn der dortigen Kolonisation durch jüdische Ackerbauer, also innerhalb von etwa 25 Jahren, einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung genommen habe. Wiewohl man hier zur Zeit infolge des Einwand er ungs Verbots der Türkei vor einer verschlossenen Thür stehe, sei doch Entgegenkommen von Seiten der Türkei zu erwarten. Redner, ein genauer Kenner der Verhältnisse aller dieser Länder, da er den Orient lange Zeit bereist hat, weist dann auf Kleinasien hin, das vor Palästina den Vorzug einer ausserordentlich billigen Kolonisation biete. (Während in Palästina die Ansiedelung einer Bauemfamilie 15 bis 20000 Fr. erfordere, ist eine solche in Kleinasien bereits mit 2- bis 3000 Fr. zu bewerkstelligen.) Bemerkenswert sei ferner als Kolonisationsland die unter englischer Oberhoheit stehende, im übrigen aber autonome Insel Cypern, ein politisch gesichertes Land von grosser Fruchtbarkeit, dabei noch sehr schwach bevölkert. Hier würde auch die Regierung aus eigenem Interesse die jüdische Kolonisationsthätigkeit fördern und grosse Landterrains unter den denkbar coul an testen Bedingungen zur Verfügung stellen. Die verschiedenen Vereine, welche sich in den Staaten Europas gebildet haben, um die Judenemigration aus den östlichen Ländern Europas zu fördern, sind, da die transatlantischen Gebiete den Juden mehr und mehr verschlossen werden, auf der Suche nach einem gemeinsamen Arbeitsfelde. Um nun ein zielbewusstes Vorgehen in dieser Richtung zu ermöglichen, hat sich in iüngster Zeit als eingetragene Genossenschaft die „ Jüdische Orient-Kolonisationsgesells chaft in Berlin** konstituiert, die im Gegensatz zu den bisherigen Unternehmungen auf rein geschäftlicher Basis beruht, und deren Leitung — an ihrer Spitze steht u. a. der bekannte Nationalökonom Dr. Franz Oppenheimer in Berlin — in den besten Händen liegt. Die Grundzüge des Kolonisationsplanes entsprechen den letzten Resultaten moderner Wissenschaft. Hiermit schloss Redner seinen klaren, von grosser Sachkenntnis zeugenden Vortrag, für den ihm Professor Dr. Badt, der Leiter der Versammlung, den Dank der Erschienenen aussprach. An der sich anschliessenden Diskussion beteiligten sich Herr Spediteur D. N. Schlesinger, dem auf Wunsch eine eingehende Auskunft über den in Aegypten zu besiedelnden Landstrich Wadi el Arish gegeben wurde, und ferner Rabbiner Dr. Guttmann, der das neue Unternehmen, von dem er sich ein arbeitsfreudiges Zusammenwirken aller religiösen und politischen Richtungen im Judentum versprach, mit grosser Sympathie begrüsste. In dem auf den Vortrag folgenden zwanglosen Beisammensein

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