Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 1-2 (1904.None.1903)
- Article
- Bananenbau in Ostafrika
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 2)
- Language
- German
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— 105 — Die Traube einer Boko-Banane ohne Schalen kostet etwa 6 Pesa 0,12 M., zur teuren Zeit im Juli, August etwa 10 Pesa 0,20 M. Die Traube einer Huti-Banane kostet etwa 10 Pesa 0,20 M., zur teuren Zeit etwa 20 Pesa 0,40 M. Die Banane hat hier zu Lande mindestens denselben Wert für die Eingeborenen, als in der Heimat, in Deutschland, die Kartoffel. Sie hat dagegen den Vorteil vor der Kartoffel voraus, dass sie 40 bis 50 Jahre lang sich auf demselben Feld bei einiger Pflege immer wieder von selbst erneuert. Durch Abzweigungen von Seitenschösslingen wird sie weiter verpflanzt, und trägt hier oben im zweiten Jahr. Die häufigste Sorte ist die Boko. Sie ist am unempfindlichsten gegen Nässe und Kälte, sie gedeihl sogar in Plöhen von 1500 bis 1600 m, wo die anderen Sorten nicht mehr fortkommen. In den Handel kommt sie nur als geschälte, getrocknete Banane und diente als solche neben Hühnern und Ziegen als Zahlungsmittel auf den Märkten, bevor die Münze seit den 90 er Jahren sie verdrängte. Diese getrockneten Bananen werden sämtlich Maboko genannt, auch wenn sie von Libur oder Dizi oder Huti herstammen. Sie haben in getrocknetem Zustande etwa nur ein Drittel des Gewichts der frischen und ein Viertel der Ausdehnung. Für ein Pfund dieser Maboko, die sich, gegen Feuchtigkeit geschützt, sehr lange gut erhalten, rechnet man in guten Monaten 3 Pf., in den schlechteren Monaten 5 Pf. Eine Bokotraube würde also in getrocknetem Zustande zu vier Pfund gerechnet, 12 bis 20 Pf. kosten, je nach den Monaten. Ich glaube bestimmt versichern zu können, dass schon jetzt aus Westusambara monatlich mehrere 100 Ctr. Bananen ausgeführt werden könnten, es verkommen z. B. in Bumbuli eine grosse Zahl derselben aus Mangel an Absatz. Hier in Wuga hat man viele Felder eingehen lassen aus demselben Grunde; zur Zeit ist die mit Bananen bepflanzte Fläche nur klein. Wäre Absatz vorhanden, dann würden ohne viel Mühe wieder, wie vor der Hungerzeit, grosse Flächen bestellt werden können. Das aus den getrockneten Früchten gewonnene Mehl verwenden wir in unseren Haushaltungen auf den Missionsstationen zum Brotbacken. Nach dem Urteil sämtlicher Landsleute, die im Laufe von sieben Jahren unsere Gäste waren, ist das Brot kräftig und schmackhaft. Bis zu zwei Dritteln Bananenmehl mit einem Drittel Weizenmehl ist die gewöhnliche Mischung. Die feineren Hutisorten kommen nur als Obstbananen in Betracht, sie sind im Zustand der Gelbreife sehr süss und aromatisch. Da die Früchte klein sind, gelten sie mehr als Luxuspflanze und sind verhältnismässig teuer. Für ihren Anbau eignen sich nur die warmen, sonnigen Hochtäler ohne Nebel, wie sie besonders die Landschaften Wuga, Mulungui, ein Teil von Bumbuli und Ubii bieten. Die grössten Bananensorten sind die Libui und die Dizi. Sie tragen Trauben bis 80 Pfund schwer und liefern gutes Mehl; dass sie nicht am meisten angepflanzt sind, liegt meines Erachtens daran, dass sie empfindlicher sind gegen Kälte und dauernde Nässe, als die Boko, und zweitens, dass sie wegen der Schwere der Trauben zu leicht Windbruch haben und daher im Ertrage unsicherer sind als die oben angeführten Hauptsorten.